Für Jugendliche ohne Lehrstelle ist die aktuelle Situation ungemütlich. Die meisten Bewerbungsgespräche und Schnuppertage sind verschoben oder gestrichen worden. Lehrverträge werden keine ausgestellt. Und wer bereits einen solchen in der Tasche hat, muss womöglich zittern. Einige wissen nicht, ob es die Firma, in der sie einen Beruf erlernen wollen, nach dem Lockdown überhaupt noch gibt.
«Die Situation ist beunruhigend», sagt Niklaus Schatzmann, Chef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes. «Es gibt viele Unsicherheiten und wir wissen nicht, ob sie sich in den kommenden Wochen verstärken oder abschwächen.»
Andere Sorgen
Schaut man auf die nackten Zahlen, sieht es zunächst nicht ganz so dramatisch aus. Mit 7800 besetzten Lehrstellen per Ende März sind die aktuellen Werte sogar besser als im Vorjahr (7650 per Ende März). «Aber diese Statistik täuscht», sagt Schatzmann. Vor einem Jahr seien zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht alle Lehrverträge erfasst gewesen.
Glücklicherweise seien viele Lehrverträge noch vor der Corona-Krise unterschrieben worden – vor allem in den grossen Branchen und bei den attraktiven Berufen. «Aber seit dem Lockdown läuft fast nichts mehr.» Das sei verständlich. Viele Betriebe hätten andere Sorgen. «Manche Firmen haben derzeit keine Ressourcen für Rekrutierungen – oder dann muss sich der Berufsbildner oder die Berufsbildnerin anderen Aufgaben widmen.» Es gebe Unternehmen, die bereits signalisiert hätten, dieses Jahr keine Lehrlinge auszubilden.

