Auseinandergelebt, zur Trennung entschlossen und doch zum Zusammenleben gezwungen: Das ist für viele Schweizerinnen und Schweizer in diesen Wochen der triste und manchmal auch dramatische Alltag. Die Zivilgerichte haben ihren Betrieb aufgrund der Corona-Krise nämlich weitestgehend sistiert.
In der Regel finden nur noch «Verhandlungen statt, die keinen Aufschub dulden», wie es etwa auf der Website des Regionalgerichts Bern-Mittelland heisst. Und zerbrochene Beziehungen, so tragisch sie sich in individuellen Biografien ausnehmen mögen, stehen auf den Prioritätenlisten der Richter nichtweit oben.
«Die Verhandlungen im Bereich Familienrecht sind praktisch alle abgesagt», bestätigt der Zürcher Anwalt Sven Gretler, der selber entsprechende Fälle betreut. Eine Scheidung sei schon unter normalen Umständen ein belastender Prozess. «Die Corona-Krise macht alles noch viel schlimmer», so Gretler.
«Zerstrittene Paare, die noch im gleichen Haushalt wohnen, sind jetzt gezwungen, viel Zeit auf engem Raum miteinander zu verbringen: Die Gerichte führen keine Scheidungsverhandlungen mehr durch, und der Bundesrat verlangt, dass man das Haus so wenig wie möglich verlässt.»
Häusliche Gewalt

