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5 Stunden, 25 Kilometer, 31'529 Schritte

Redaktorin Lea Chiapolini wollte vor einigen Jahren an einem Tag alle drei Bezirke durchwandern – was sie nicht ganz unbeschadet geschafft hat. Dieser Artikel ist schon älter, hat aber an seiner Aktualität nichts verloren.

Hier in der Region scheinen die Wegweiser zum Teil anders aufgebaut zu sein als in den Bergregionen.

Lea Chiapolini

5 Stunden, 25 Kilometer, 31'529 Schritte

Ich packe in meinen Rucksack eine Flasche Wasser, ein Brot, einen Fenchel, einen Apfel, ein Taschenmesser und einen Pulli. An die Füsse sind bereits die Trekkingschuhe geschnürt. Heute geht es nicht auf einen Berggipfel, ich muss deshalb nicht zuerst eine Auto- oder Zugfahrt auf mich nehmen, um zum Ausgangspunkt meiner Tour zu gelangen. Meine Wanderung beginnt vor meiner Haustür in Wetzikon.

Ich will ohne Karte, sondern nur mit der Hilfe von Wegweisern eine mehrstündige Wanderung durch die drei Bezirke Hinwil, Uster und Pfäffikon unternehmen. Der Mann an meiner Seite hat sich bereit erklärt, mich auf dieser Tour zu begleiten. Eine grobe Wahl der Route habe ich getroffen, doch will ich mich von den gelben Wegweisern leiten lassen. Den ersten zu finden, gestaltet sich jedoch schon ziemlich schwierig. 

Erste Überraschung nach 30 Minuten

Los geht es von Wetzikon in Richtung Gossau. Auf der Suche nach den gelben Tafeln folgen wir zuerst der Strasse nach Bertschikon. Auf der Anhöhe bei der Gemeindegrenze angekommen, folgt bereits die erste Überraschung: Nicht einmal ein Kilometer von unserem Haus liegt offenbar der grösste in der Schweiz erhalten gebliebene Grabhügel aus der Bronzezeit. «Begräbnisstätte eines keltischen Grossgrundbesitzers» heisst es auf dem Schild neben dem Hügel, ohne welches wir, ohne weiter nachzudenken, an dieser kleinen Erhöhung vorbeigelaufen wären.

Im Gossauer Ortsteil Bertschikon finden wir dann den ersten gelben Wegweiser. Er führt uns durch den Weiler in Richtung Sulzbach, vorbei an Grundstücken mit hohen Hecken, welche auf eine hohe Swimmingpool-Dichte in dieser Siedlung hindeutet. Einige Tage später wird sich dieser Verdacht beim Prüfen der Luftaufnahmen dieses Gebiets bestätigen. Meine Begleitung – architektonisch gebildet – bleibt bei jedem zweiten Haus stehen, um die zum Teil ästhetisch eigenwilligen Entscheide der Bauherren kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Ich geniesse während dieser Pausen die Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. Obwohl sich der Tag von seiner prächtigsten Seite her zeigt, sind nur wenige andere Spaziergänger unterwegs. Da wir an einem Samstagmorgen unterwegs sind, beschlichen mich plötzlich Zweifel. Machen wir jetzt etwas falsch? Oder genau richtig? «Wahrscheinlich ist der Weg um den Greifensee umso dichter bevölkert», meint mein Begleiter. Tatsächlich scheint es so, als wären die kleinen Wege nur wenig abseits der grossen Ausflugsziele wie dem Juckerhof oder der Naturstation Silberweide nahezu unbevölkert.

Die Suche nach dem nächsten Kaffee

Kaum aus Bertschikon heraus, erlebe ich die zweite Überraschung. Von hier aus erstreckt sich mein Blick vom Bachtel über die Exklave Heusberg und weiter über die Stadt Uster bis weit ins Glattal nach Oerlikon über den Greifensee und zurück nach Mönchaltorf bis in die Glarner Alpen. Es ist wunderschön. Wir sind noch nicht einmal eine ganze Stunde unterwegs, und schon wird mir bewusst, wie wenig ich meine eigene Umgebung kenne.

Die Suche nach den Wanderwegweisern geht stetig weiter. Wir scheinen zwar auf der richtigen Route zu sein, die Schilder wiederum wirken etwas kurios. «Wanderweg nächster Weg links» heisst es da. Einige Strassen weiter: «Wanderweg nächste Kreuzung geradeaus». Zwar sind diese Richtungsangaben sehr amüsant, aber ich hätte momentan lieber – wie in den Bergen – eine Angabe, wann wir zum nächsten Restaurant gelangen. Der Kaffee ging an diesem Morgen nämlich unter, und vor uns liegt noch eine weite Strecke.

Wir haben den Wanderweg wieder verloren, da wir, um Lämmchen anzuschauen, quer über ein Feld gelaufen sind. Die Anzahl Tierarten, denen wir bisher begegnet sind, ist bereits beachtlich: Kühe, Pferde, Ponys, Hühner, Hunde, Katzen, Alpakas, Krähen, Reiher, Schafe, Ziegen, Hochlandrinder, Störche … Von Sulzbach aus gehts wanderwegverlusthalber der Strasse entlang weiter nach Riedikon. Bis jetzt waren wir mehrheitlich allein unterwegs; das Einzige, was zu hören war, ist die Stille der Natur. In Riedikon angekommen, wird es zum ersten Mal laut. Autos brausen an uns vorbei, auch Motorradfahrer nutzen den schönen Tag für eine Ausfahrt.

«Du würdest im Militär keinen Marsch überleben.»

Mein treuer, äusserst unterstützender Begleiter

Am Ufer des Greifensees hält sich die Menschenmenge jedoch immer noch in Grenzen. Genau zur Mittagszeit erreichen wir – wieder geleitet von Wegweisern – die Schifflände Niederuster. Bei einem Picknick sehen wir dem Kursschiff «Heimat» zu, wie es anlegt und wieder davon fährt. Obwohl wir im Vergleich zu einer Bergtour noch nicht lange unterwegs sind, sind meine Füsse schon ziemlich müde. Kein gutes Omen für den anstehenden Rest der Strecke.

Dem Seeufer entlang gehen wir weiter in Richtung Dorf Greifensee. Kurz bevor wir das Städtli erreichen, machen wir noch einmal einen Halt auf dem Inselisteg, wo ich zum ersten Mal bereue, keinen Sonnenhut zu tragen. Die Mischung aus zu wenig zu trinken und zu viel Sonne macht sich langsam bemerkbar. Mein Begleiter hingegen hat nur ein müdes Lächeln für mich übrig. «Du würdest im Militär keinen Marsch überleben», meint er.

Von Greifensee aus geht es über die Autobahnbrücke weiter in Richtung Näniker Hardwald. Am Anfang unserer Tour schienen wir noch viel schneller vorwärtszukommen. Nun scheinen sich die Kilometer immer weiter in die Länge zu ziehen. Einem Kaffee im Restaurant würde ich nun ein Glace am Kiosk vorziehen. Doch zuerst nehme ich mit der Kühle des Waldes Vorlieb. 

Der rettende Bahnhof naht

Durch den Volketswiler Ortsteil Gutenswil wandern wir schliesslich über die Egg in Richtung Fehraltorf. Ich hatte mir vorgenommen, eine Tour durch alle drei Bezirke des Oberlands zu machen. Da wir nun mit dem Bezirk Pfäffikon im dritten angekommen sind, schwindet meine Motivation, noch weiter zu gehen, mit jedem Schritt.

Als wir den Bahnhof Fehraltorf erreichen, geben wir auf. Nach rund fünf Stunden Laufzeit und einer Strecke von 25 Kilometern bringe ich die Willenskraft nicht mehr auf, diesen Bahnhof, von dem aus in nur zwei Minuten der rettende Zug zurück in Richtung Wetzikon fährt, wieder zu verlassen. Meine Schrittzähler-App, die ich extra für diesen Ausflug heruntergeladen habe, zeigt mittlerweile eine stolze Zahl: 31’529 Schritte. Mein Fazit des Tages: Eine Tour durch die nähere Umgebung ist nicht zu unterschätzen – sowohl was die Anstrengung als auch die Fülle an Eindrücken anbelangt. 

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