Vor den Medien gab sich Alain Berset demonstrativ kollegial. Die Kinderkrippen, dozierte der SP-Bundesrat contre coeur, seien «primär Sache der Kantone und Gemeinden». Es war Bersets Antwort auf die Journalistenfrage, ob der Bund den wegen der Corona-Krise leidenden Kindertagesstätten (Kita) finanziell unter die Arme greifen werde.
Berset wollte Notkredit
Bersets Antwort machte klar: Zumindest vorerst gibt es vom Bund keinen Franken – auch wenn die Krippen ihren Betrieb auf Geheiss des Bundesrats halb leer weiterführen müssen. Bevor die Regierung in diesem Bereich Massnahmen ergreife, wolle man erst beobachten, wie gross die Probleme bei den Kitas tatsächlich werden, erklärte Berset.
Damit sagte der Sozialminister vor den Medien das exakte Gegenteil von dem, was er hätte sagen wollen. Bersets Plan war, die Kinderkrippen per Notrecht zu unterstützen. Im Bundesrat hat er am Freitag ein Hilfspaket in Höhe von 98,5 Millionen Franken beantragt. Dieser Betrag sollte mindestens teilweise die Krippenbeiträge für jene Kinder decken, die derzeit nicht in die Kita gehen dürfen. Den gleichen Betrag hätten nach Bersets Plan die Kantone beisteuern sollen.
«Zuerst erklärt der Bund die Kita-Branche für systemrelevant, dann lässt man sie hängen.»
Rosmarie Quadranti (BDP), Präsidentin Kibesuisse

