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Politik

«Wir halten jeden Abend eine Art Corona-Sprechstunde ab»

Die Corona-Pandemie hat grossen Einfluss auf das Leben im Gehörlosendorf Turbenthal. Gesamtleiterin Annette Kahlen erzählt, wie Kreativität trotzdem für Normalität sorgt.

Frau Kahlen, gibt es eine Möglichkeit, den Begriff Coronavirus in der Gebärdensprache darzustellen?
Annette Kahlen: Oh ja! Legen Sie beide Fäuste übereinander, so dass die Handflächen jeweils nach unten zeigen. Dann spreizen Sie die Finger der oberen Faust beginnend mit dem kleinen Finger langsam nach aussen weg, so wie wenn ein Pfau seine Federn ausbreitet. Das «Virus» wird mit einer zweiten Gebärde dargestellt, indem die zehn Finger sich gestreckt nach vorne bewegen. Die Gebärdensprache ist eine sehr bildhafte Sprache.

Auf welche Weise vermitteln Sie das Thema und die laufend angepassten Massnahmen?
Wir haben sehr früh begonnen, die Empfehlungen und Anweisungen von Bund und Kanton umzusetzen. Das Personal wird täglich über etwaige Anpassungen informiert. Mit den Bewohnenden und Mitarbeitenden an den geschützten Arbeitsplätzen besprechen wir die Massnahmen und klären über deren Notwendigkeit auf. Auch halten wir jeden Abend eine Art Corona-Sprechstunde ab, in der sowohl über Pressemitteilungen debattiert wird, als auch persönliche Sorgen und Ängste zur Sprache kommen. Und manchmal üben wir gemeinsam auch ganz profane Dinge wie zum Beispiel das korrekte Händewaschen.
 

Bildhafte Sprache
Auf der Webseite des Schweizerischen Gehörlosenbunds (www.sgb-fss.ch) gibt es ein Online-Lexikon für die Gebärdensprache. Begriffe können in den Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch nachgeschlagen werden. Zu den Resultaten gibt es jeweils ein Video, eine Umschreibung, eine Definition sowie ein anschauliches Satzbeispiel.

Wie reagieren die Bewohnerinnen und Bewohner darauf?
Sehr gut und sehr verständnisvoll. Sie begrüssen es mittlerweile sogar, dass die Mahlzeiten viel ruhiger verlaufen, weil nicht mehr alle so eng beieinander sitzen.

Waren Sie im Gehörlosendorf auf solch eine Situation vorbereitet? Verfügen sie über einen generellen Pandemieplan?
Auf so eine Situation war vermutlich niemand eingestellt. Aber wir waren und sind gut vorbereitet. Wir haben seit dem Ausbruch der Schweinegrippe vor rund zehn Jahren ein Pandemiekonzept und entwickeln dieses jedes Jahr, wenn wir uns vor einem Norovirus schützen müssen, kontinuierlich weiter.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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