Meditation im Homeoffice
Zugegeben, eigentlich habe ich ja so gar nichts mit Meditation am Hut. Schneidersitz, Räucherstäbchen und sphärische Klänge für die innere Ruhe. Alles schön und gut, aber das bin nicht ich. Im Schneidersitz sitze ich oft auf dem Bürostuhl, ich höre lieber Louis Armstrong und die innere Ruhe finde ich am besten auf einem Spaziergang im Wald.
Trotzdem machte es mich neugierig, als ich letzte Woche eine Whatsapp-Einladung erhielt: «21 Tage Meditation der Fülle» hiess die Gruppe. Eingeladen hatte mich eine gute Freundin aus Deutschland. Seit der Grenzschliessung können wir uns nicht mehr sehen.
Vielleicht war’s dieser traurige Umstand, die Tristesse der Homeoffice-Einöde oder einfach der Frust über das regnerische Wetter, das mir gerade meine Spazierpläne vermiest hatte: Kurzentschlossen trat ich der Gruppe bei.
Seither nehme ich mir täglich eine halbe Stunde Zeit, unter Anleitung brav die Meditation zu absolvieren – Schneidersitz und sphärische Klänge inklusive. Wer hätte gedacht, welche ungeahnten Kräfte eine unfreiwillige Isolation freisetzen kann. In diesem Sinne: Namaste. (Annabarbara Gysel)

