Eine Krise ist in der Schweiz erst eine richtige Krise,wenn irgendwo ein Regierungsrat hässig zum Telefon greift und die Vorwahl von Bern eintippt. Das passiert in diesen Tagen relativ oft. Ja, man kann sich kaum an eine Zeit erinnern, in der das Verhältnis zwischen Bund und Kantonen annähernd so zerrüttet war wie gerade jetzt.
Das Tessin hat sich grusslos abgewandt. Seit Sonntag ist im Südkanton Shutdown, das Wirtschaftsleben tot. Dass der Bundesrat am Montag befand,dies sei rechtswidrig – non importa. Tessiner Recht bricht Bundesrecht.
Auch die Kantone im Arc lémanique fühlen sich alleingelassen. Sie richten schrille Appelle nach Bern und testen,wieweit sie sich von den Beschlüssen des Bundesrats entfernen dürfen. Schliessen Baustellen. Öffnen sie kleinlaut wieder. Nur um sie kurz darauf wieder abzusperren.
Die Herde zusammenhalten
Vier Wochen dauert die Corona Epidemie in Europa nun an. Sie hat die stabilste Demokratie der Welt erschüttert und im ältesten Bund des Kontinents erstaunliche Zentrifugalkräfte freigesetzt. Mittendrin steht ein Bundesrat, der halb drohend, halb flehend versucht, die Herde irgendwie zusammenzuhalten.

