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Politik

Was mich glücklich macht

Eigentlich hat es Standpunkt-Autorin Gioia Porlezza nicht so mit dem Aufräumen. Doch es erinnert sie an Spielenachmittage, die sie so gerne mag. Ausserdem hilft es, längst vergessene Sachen wiederzufinden.

Manchmal tut so ein bisschen Entschleunigung ganz gut. Während man das Gefühl hat, die Welt fliege einem zurzeit nur so um die Ohren, hat das Ganze auch etwas Schönes: Man hat plötzlich Zeit. Zeit für Zeitaufwändiges, das ansonsten oft liegenbleibt. Okay, nicht unbedingt immer, weil es besonders viel Zeit in Anspruch nähme, sondern einfach einen Funken Motivation. Aber davon kann ich mich momentan auch nicht mehr drücken.

Als erstes lachte mich zuhause mein Zimmer an. Oder eher aus. Jede meiner Ausreden lief in meinem Kopf ins Leere: Keine Zeit – leider doch. Geht auch später – das wird nur schlimmer. Keine Lust – in der Tat, aber das tut nichts zur Sache. Also machte ich mich wohl oder übel an die Arbeit. Und ich kann alle in einer ähnlichen Situation beruhigen: Es ist schlimm, aber es geht vorbei. Wenn man sich, nicht wie ich, in tausend Dingen verliert.

Socken suchen, ist wie «Memory»: Findet man den passenden, oder nicht?

Denn eigentlich ist Aufräumen ein bisschen wie ein Spielenachmittag alleine. Und leider liebe ich Spiele. Socken suchen, ist wie «Memory»: Findet man den passenden, oder nicht? Das «Cluedo»-Feeling drückt durch, wenn man einen Schlüssel in der Hand hält, den man nie vermisst hat, der aber eigentlich doch ziemlich wichtig aussieht. Und bei zu grossen Kleiderbergen fühlt man sich an «Risiko» erinnert: Soll man ihn aufheben und riskieren, dass eine Spinne hervorkrabbelt oder will man einfach alles zusammen, ohne hinzuschauen, in einen Sack stopfen? Das Spieler-Herz schlägt definitiv höher.

Daneben kommen beim Aufräumen auch immer allerlei Sachen zum Vorschein, die man längst vergessen hat. Denn wem geht es nicht so: Wenn man sich dann endlich mal dazu aufgerafft hat, aufzuräumen, dann herrscht diese «all in»-Einstellung. Man hört nicht mehr auf, bis alles verstaut, gedreht und gewendet ist.  Bei mir kamen dabei viele, viele Fotos zum Vorschein. Von Geburtstagen, alten Freunden und Familientreffen.  Schöne Erinnerungen, an die ich schon sehr lange nicht mehr gedacht habe. Und die in diesem Moment eigentlich viel mehr Freude machen, als wenn man sie ständig auf dem Nachttisch hätte. Weil es einfach spontan ein gutes Gefühl gibt. Ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, mit dem man nicht gerechnet hat.

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