Von einem Grossandrang auf die Banken kann in Uster nicht die Rede sein. Zwar hat sich vor der Zürcher Kantonalbank eine kleine Schlange gebildet. Doch sind die Leute nicht wegen des neuesten Beschlusses des Bundesrats gekommen. Ruft man das Stichwort: Bundesrat-KMU-Kredit in die Runde, kommen nur fragende Blicke zurück.
Die Leute, die hier anstehen, sind aus ganz anderen Gründen gekommen. Ein Familienvater hat seine Kreditkarte im Auto vergessen, und geht deshalb kurzerhand an den Schalter, um an sein Geld zu kommen. Eine junge Frau mit hochgeschlagener Kapuze macht nur deshalb die Reihe, weil der Automat gerade ausgestiegen ist. Ein junger Mann wollte am 2. April nach Bali fliegen. Und weil die Reise jetzt ins Wasser fiel, muss er jetzt das gewechselte Geld wieder die Ursprungswährung zurückwechseln. Da ist eine ältere Frau, die nicht mit der Zeitung reden will – kaum vorstellbar, dass sie wegen eines Kredits für ihre Firma hier ist.
Internet statt Schalter
Bei den anderen Banken in der Region das gleiche Bild: An der Pforte der Bank in Wetzikon sowie der Migros-Bank oder der Credit Suisse in Uster ist kein Mensch zu sehen. Dafür findet man bei Nachbar UBS einen Hinweis auf die Frage, wieso der Sturm auf die Banken am Tag 1 der unerschöpflichen Kredite ausgeblieben ist. Im Schaufenster steht ein Bildschirm. Darauf steht: «Coronavirus. Wir unterstützen Schweizer KMU», gefolgt vom Link auf die Webseite der Bank mit den notwendigen Informationen. Man scheint also auch im Oberland das Internet dem Gang zum Schalter zu bevorzugen.
Es seien ausschliesslich online Kreditanträge gestellt worden, bestätigt Philippe Haller, Mediensprecher der Bank Avera. Insgesamt sind bei der Regionalbank bisher 80 Anträge eingegangen. Die durchschnittliche Kreditsumme beträgt gemäss Haller rund 110'000 Franken. Bei den Antragsstellern handle es sich um Unternehmen der verschiedensten Branchen. « Wir haben ausserdem festgestellt, dass rund 80 Prozent davon noch nie einen Kreditlimite beansprucht haben. »

