Taucht ein menschlicher Körper in 6-grädiges Wasser, ziehen sich die Blutgefässe schockartig zusammen. Das tut weh.
«Einmal tief ausschnaufen. So: Uuuuuh», sagt Jeannette Stangier-Bors und breitet dazu die Arme aus. Das ist jeweils der Moment, in dem sie sich dem Schmerz ergibt. Danach braucht es für sie keine Überwindung mehr, sagt sie, die noch fehlenden zwei Stufen zu nehmen und an diesem Märztag in den Pfäffikersee zu waten. Einmal bis zur Hüfte im Wasser taucht sie plötzlich ganz ab, bis auch die «Mad Wave»-Aufschrift auf ihrer neonfarbigen Badekappe unter Wasser ist. Dann schwimmt sie los.
Leidenschaft fürs Eiskalte
Schon als Kinder, lange bevor sie sich kennenlernten, sind Stangier-Bors und ihr Mann Robert gerne in kalte Gewässer gehüpft. Nachdem sie sich kennengelernt hatten – beide verpassten am Zürcher Hauptbahnhof denselben Zug – und sich verliebten, sei es zur Tradition geworden, bei Regen zusammen draussen rumzutoben. Und viel zu wandern, dabei so oft wie möglich in Bergseen zu springen. Irgendwann, vor ungefähr 15 Jahren, haben die zwei dann begonnen, gezielt nach vereisten Seen und Flüssen zu suchen, um darin zu baden. Wer wieso auf diese Idee kam: Sie wissen es nicht mehr.
Aber baden und schwimmen, das sind zwei sehr verschiedene Dinge. Vor allem dann, wenn der Körper zuerst schmerzt, dann langsam taub wird und der Atem kaum kontrollierbar ist. Von aussen sieht man bei Jeannette Stangier-Bors davon nichts. Sie schwimmt in gleichmässigen Crawl-Zügen, nicht gehetzt aber zügig in den See hinaus. Es dauert nicht lange und man muss genau hinschauen, um zu sehen, wie die Neopren-Füsslinge beim Beinschlag durch die Wasseroberfläche brechen.

