Man sieht ihn auf dem Bild kaum. Aber zwischen den Pfeilen kann man ihn entdecken – den Turm in Schlieren. Einst überragte er alles in der Nähe, heute wird er optisch erdrückt von den funktionalen, grossen Büro- und Wohnanlagen, die ihn drohend umgeben.
Wozu er einst gedient hat, weiss ich nicht. Es könnte das Stellwerk für den Bahnhof gewesen sein, ein Wasserreservoir – dagegen sprechen allerdings die Fenster – oder irgendetwas. Was mich beim Anblick traurig gestimmt hat, ist, dass ein einst wichtiges, die Nachbarschaft überragende Gebäude in die Belanglosigkeit versinkt.
Das ist nicht nur mit diesem Turm so. Wie viele bedeutende Erkenntnisse und Erfindungen werden vom Lauf der Zeit geschluckt. Denken Sie an die Wählscheibe am Telefon, die Schallplatte, das Telegramm oder der kupferne Kessel für die Wäsche am Samstag.
Es ist halt so, Neuerungen und Fortschritte verdrängen Altbewährtes durch Effizienz und Praktikabilität. Was einst der letzte Schrei war, entlockt uns heute nicht mal ein müdes Lächeln. Sic transit gloria mundi – oder in heutiger Sprache: heute hipp, morgen flopp. (Guy A. Lang)

