Abo

Politik

Herunterfahren und Auftanken

Standpunkt-Autorin Beatrice Jelinek hat genug vom Coronavirus. Ihre Tochter hat die zündende Idee, was ihre Mutter auf andere Gedanken bringt.

Kennen Sie die drei weisen Affen? In auserlesenen Situationen – einfach so ganz gezielt – wäre es doch genial, einer der drei weisen Affen sein zu können. Dann könnte man sich aussuchen, welche Art von Kommunikation man gerade nicht pflegen möchte. Unter uns gesagt: Gibt es im Moment irgendjemanden, der ein offenes Ohr hat für etwas Witziges?

Alle sprechen und denken nur noch von und über Corona. Selbst Greta und der Freitagsstreik haben sich irgendwo zwischen dem Plündern von Regalen beim Grossverteiler und dem ständigen Desinfizieren der Hände in nichts aufgelöst. Viele Eltern sind am Verzweifeln, weil die Kinder nicht zur Schule können und das Freizeitprogramm – aufgrund mangelnder Ideen, wie man sich mit den Kindern beschäftigen könnte - schon am Vorabend als Traktandum abgehandelt werden muss. Ein Treffen mit anderen Kindern? Schwierig. Ein Besuch im Zoo oder in einem Indoorspielplatz? Unmöglich! Was jetzt?

Eine gute Freundin ruft mich neulich an und klagt mir ihr Leid, dass sie mit dem Haushalt komplett durcheinandergerate, weil ihr Göttergatte seit neustem täglich von zu Hause arbeite. Der bereits geplante Urlaub steht auch auf Messers Schneide und schwebt - wie einige Fluggesellschaften auch - ungewiss in der Luft hoch über den Wolken. Auf der Bank vermehrt sich das Geld schon seit Monaten nicht mehr und wer das Wenige noch komplett auf Talfahrt bringen will, der wende sich aktuell an die Börse.

Auch meine Tochter findet es nicht mehr witzig. So fragte sie mich neulich: «Mami, wieso chum ich keis Wurschtredli meh über vom Metzger?» Selbst mein Grundwert an Freundlichkeit bedarf dank Corona auch ausführlicher Erklärung. Zum Beispiel dann, wenn meine Tochter mich fragt, ob die Spielgruppenleiterin böse sei, weil sie keine Hände mehr schütteln will zur Begrüssung. So weit so gut und ich kann ja vieles mit einer gewissen Ruhe und einer grossen Portion an Verständnis bewältigen.

«Gaanz ruhig Mami – du muesch abefahre - ganz ruhig.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?