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«Bschiisse, was das Zeug hält»

Vier Jahre Produktionszeit für 95 Minuten Spielfilm: Marc Apothéloz hat seinen ersten Spielfilm endlich fertiggestellt. 70 Laien aus seinem Freundeskreis halfen mit, ihre Koordination war für den Pfäffiker die grösste Herausforderung am Projekt.

Marc Apothéloz griff, wenn immer möglich, auf Drehorte in der Umgebung zurück. Hier das Kastell Irgenhausen..., ... wo wilde Verfolgungsjagden gedreht wurden. , Auch in den Untergrund zog es die Filmcrew., Das Titel bild von «Jungfrau, Mönch und Ärger» – ganz im James-Bond-Stil.

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«Bschiisse, was das Zeug hält»

«Manche Darsteller, die endlich wieder mal ihre Frisur oder Haarfarbe ändern wollten, wurden langsam ungeduldig.» Der Pfäffiker Marc Apothéloz verlangte seinen freiwilligen Helfern in den letzten vier Jahren einiges ab. So lange hat es gedauert, bis sein Spielfilm fertig geplant, gedreht, geschnitten und vertont war. «Mein Hauptdarsteller ergraute in diesen vier Jahren merklich», sagt der 67-Jährige und lacht herzlich. «Ich bin eben ein langsamer Mensch.»

Diese Aussage ist schwer zu glauben, wenn man Apothéloz zuhört. Er erzählt feurig und wild gestikulierend von seinem Filmprojekt, das sich an die James-Bond-Reihe anlehnt. Keine Satire, aber mit einem Augenzwinkern zu geniessen. Der mittlerweile pensionierte Psychiater hatte in den letzten Jahren immer wieder einmal Filmprojekte auf die Beine gestellt. «So kleine Dokumentarfilme», meint er abwinkend. Trotzdem habe es ihm den Ärmel reingezogen.

«Ich will nicht, dass die Darsteller in eine Rolle schlüpfen müssen, sie sollen sich selbst spielen können.»

Das Drehbuch für seinen ersten «richtigen» Spielfilm sei schnell geschrieben gewesen. «Als es darum ging, Darsteller für die Rollen zu finden, musste ich es aber wiederholt umschreiben», sagt Apothéloz. In Hollywood müsse sich jeweils der Schauspieler dem Drehbuch anpassen, hier sei der Fall umgekehrt gewesen. «Ich will nicht, dass die Darsteller in eine Rolle schlüpfen müssen, sie sollen sich selbst spielen können.»

Insgesamt waren schliesslich rund 70 Personen am Projekt «Jungfrau, Mönch und Ärger» beteiligt. «Alles Laien aus meinem Freundeskreis – wer Ja sagt, ist dabei.» Dies habe es für ihn nicht leicht gemacht, als sich die Produktionszeit immer weiter verzögerte. «Regie zu führen ist für mich das mühsamste an der ganzen Arbeit», gibt Marc Apothéloz zu. «Ich will es immer allen recht machen und bin gleichzeitig viel zu nervös und zu ungeduldig.»

Ohne eine riesengrosse Portion Selbstironie sei ein solches Projekt gar nicht zu bewältigen. «Als blutiger Amateur eine Geheimdienstaffäre in der Schweiz zu verfilmen, ist reine Hochstapelei und gleichzeitig extrem spannend, reizvoll und witzig.» Als Amateur spienzle er auf die unendlichen technischen Angebote oder ausgefallene Lokalitäten. «Nur um dann im nächsten Schritt wieder möglichst sanft den Boden der eigenen, bescheidenen Realität zu betreten.»

Viel Geld für ein paar Sekunden

Trotzdem hat es für einige – wenn auch kostenintensive – Spielereien gereicht: eine Yacht auf dem Zürichsee als Drehort oder eine Actionszene, für die Apothéloz einen Helikopter samt Piloten gebucht hatte. «Das war natürlich ein unglaublicher Tag. Aber wenn man dann das Endprodukt anschaut, in dem im Vergleich zum riesigen Aufwand nur ein paar Sekunden Filmmaterial untergekommen sind, ist auch eine kleine Spur Ernüchterung dabei.»

Marc Apothéloz hat alle Kosten, die für die Dreharbeiten angefallen sind, aus dem eigenen Sack bezahlt. Derart kostspielige Spässe wie Szenen mit einem Helikopter blieben darum die Ausnahme. «Bschiisse, was das Zeug hält», war die Devise für die meisten der Actionszenen.

Als Schauplätze wählte er primär Orte in der Umgebung wie etwa die Pfäffiker Schulanlagen, das Römerkastell Irgenhausen oder das Pfäffikerseeufer. «Dazu kamen weitere Drehorte wie etwa der Prime Tower in Zürich oder die Berner Alpen.»

Musik als Feuer

Vertont hat er den Film komplett selbst. Dies sei für  ihn die schönste Arbeit am ganzen Projekt. «Ich will keine fremde Musik. Das gibt nur ein Theater mit den Urheberrechten.» Für Apothéloz ist Musik das feurigste Element eines Filmes. Gitarre und Klavier spielt er selbst, für den Rest kam der Computer zum Zug.

Sein James Bond – der in «Jungfrau, Mönch und Ärger» Jakob Bonus heisst – wird von seinem Sohn Basil Apothéloz verkörpert. Als die Dreharbeiten anliefen, war noch gar nicht klar, wann und ob es einen nächsten Bond-Film geben wird. «Als dann im letzten Sommer erste Gerüchte zur Geschichte des neuen 007-Streifens bekannt wurden, war mir klar, dass ich jetzt Gas geben und mein Projekt abschliessen muss», sagt Marc Apothéloz. «Ansonsten hätte es plötzlich Vorwürfe gegeben, ich hätte meine Geschichte den Hollywood-Produzenten abgekupfert.»

Vor einer Woche fand die Premiere des Filmes im kleinen Kreis statt. Dazu hatte Apothéloz den Rex-Saal im Chesselhuus gemietet. «Viele der Personen, die über ganze Zeit in das Projekt involviert waren, haben sich zuvor noch gar nie gesehen. Andere hatten vor drei Jahren kurz mitgeholfen und seither nichts mehr mit dem Film zu tun.» Diese Zusammenkunft bezeichnet er darum liebevoll als «Hochzeit» des Filmes. Nervös war er vor der Vorstellung nicht. «Ich wusste bereits im Vorfeld, wie die Reaktionen der einzelnen Schauspieler ausfallen werden», sagt er zufrieden.

«In den letzten vier Jahren bin ich um zehn Jahre gealtert.»

Eine öffentliche Vorstellung wäre auch noch geplant gewesen, fällt nun jedoch der Schliessung aller öffentlichen Lokale zum Opfer. Für Marc Apothéloz kein Weltuntergang: Er hat den Film bereits auf Youtube   veröffentlicht. «Es ging mir immer um die eigentliche Herstellung des Filmes, nicht um das Endprodukt.»

Dieses nun vor sich zu haben, sei trotzdem eine grosse Erleichterung. 70 Mitwirkende zu organisieren und zu managen koste zwar kein Geld, aber einiges an Energie. «In den letzten vier Jahren bin ich um zehn Jahre gealtert», gibt Apothéloz zu. «Aber das macht nichts.» Das Erlebnis mit diesem Film fülle locker zehn Jahre seines Lebens. «Und jetzt kümmert es mich auch nicht mehr, ob jemand graue Haare bekommt.»

Der Film ist unter dem Titel «Jungfrau Mönch und Ärger» auf Youtube öffentlich aufgeschaltet. 

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