Flaniermeile mit Verkehrsproblem
Noch sehen die Winterlinden etwas kümmerlich aus, die seit Herbst wieder entlang der Pfäffiker Seestrasse stehen. Bis sie zu einer derart stattlichen Grösse herangewachsen sind wie ihre Vorgänger, die im letzten März wegen den Bauarbeiten an der Seestrasse gefällt wurden, geht es noch einige Jahre.
Im letzten Frühling fiel auch der Startschuss für die Umgestaltung der Seestrasse zur neuen Begegnungszone. Mittlerweile sind die letzten Zeugen der monatelangen Bauarbeiten verschwunden.
« Momentan hält sich kaum jemand an die Mindestgeschwindigkeit. »
Rita Bürgisser
Rita Bürgisser, Ladenführerin des Claro Mitenand Lade, trauert den grossen Bäumen noch immer etwas nach. Ihr Geschäft war bereits in der ersten Phase der Bauarbeiten von grossen Einschränkungen betroffen. «Somit haben wir bereits einen Teil des Sommers mit der neuen Seestrasse erlebt», sagt sie. «Da die beiden grossen Bäume vor dem Laden fehlten, wurde es jeweils schon sehr heiss – sowohl vor dem Geschäft als auch darin.» Sie habe darum die Eingangstüre, anders als in anderen Jahren, praktisch immer geschlossen.

Die alte Seestrasse… src=”https://d2e1s0mc2ui2l2.cloudfront.net/zom/archiv/media/2020/03/13/dsc00052.jpg?h=476239c4&itok=mrrw1hue” width=”994″ height=”559″ alt=”… und die aktuelle situation. (fotos: sbo/lcm)” class=”no-tts image-style-np8-full” /> … und die aktuelle Situation. (Fotos: sbo/lcm)
src=”https://d2e1s0ml2.cloudfront.net/zom/archiv/media/2020/03/13/pfaeffikon_26092017_seestrasse_sbo_11.jpg?h=59f4ed14&itok=nna8ojph” width=”994″ height=”559″ alt=”die alte seestrasse…” class=”no-tts image-style-np8-full” /> Die alte Seestrasse…

… und die aktuelle Situation. (Fotos: sbo/lcm)
Während der Bauzeit habe sie grosse Umsatzeinbussen verzeichnen müssen. «Das war absehbar», sagt Bürgisser. Zum Glück seien die Claro-Läden als Verein organisiert, sodass man ein «gewisses Polster» habe. «Trotzdem müssen wir die Mindereinnahmen jetzt aufholen.»
Verschlimmerung im Sommer?
Wenn es wieder wärmer wird, wolle das Team auch den Bereich vor dem Geschäft nutzen – etwa mit der Ausstellung von Produkten oder dann mit Tischen und Stühlen. Doch dieses Thema macht Rita Bürgisser noch etwas zu schaffen: Momentan halte sich kaum jemand an die Mindestgeschwindigkeit von 20 km/h in der Begegnungszone. «Ich habe sogar schon Situationen beobachtet, bei dem ein korrekt fahrendes Auto überholt wurde.»
Im Hinblick auf den Sommer, wenn sich noch mehr Personen im Freien aufhalten und auch weitere Geschäfte den Aussenbereich nutzen, dürfte sich diese gefährliche Situation durch schnell fahrende Autos noch verschärfen. «Ich habe das Problem der Gemeinde gemeldet, aber bisher gab es noch keine Verbesserung.»
«Unser Mittagsumsatz ist eingebrochen. »
Reto Bauert
Auch Reto Bauert, Inhaber des Restaurants Brauerei, beurteilt den Verkehr sehr kritisch. «Natürlich hat es jetzt weniger Autos als vorher beim Durchgangsverkehr, aber das heutige Verkehrsaufkommen ist nicht mit einer Flaniermeile vereinbar.» Vor allem zu Stosszeiten werde die Seestrasse vermehrt als Schleichweg benutzt, um eine Wartezeit beim Palme-Kreisel zu verhindern.
Bauert konnte im letzten Sommer seine Gartenbeiz bereits markant vergrössern. «Auch wenn es damals mit all den Bauabschrankungen in der Nähe noch nicht so schön aussah», sagt er. Umsatzeinbussen musste auch er einfahren – und tut es noch. «Unser Mittagsumsatz ist eingebrochen. Wohl, weil die Seestrasse nicht mehr beidseitig befahrbar ist und sich die Parkplatzsuche dadurch schwieriger gestaltet.» Ihm bleibe nichts übrig, als zu hoffen, dass sich die Autofahrer an die Situation gewöhnen und sich alles einpendelt. «Die Umgestaltung der Seestrasse ist aber auf jeden Fall eine Aufwertung», sagt Reto Bauert.
Seitens der Gemeinde ist man sich der Verkehrssituation bewusst. «Gerade das Thema Parkplätze haben wir auf dem Radar», sagt René Iten, Leiter des Pfäffiker Bauamtes. Momentan würden Autos oftmals entweder einfach irgendwo oder auf gelben Parkplätzen abgestellt. «Darum überlegen wir uns, ob wir zusätzliche Markierungen anbringen müssen, damit ganz klar ist, dass gelbe Parkfelder privat sind.»
«Recht machen kann man es sowieso nicht allen.»
René Iten, Leiter Bauamt
Konkrete Massnahmen, um das Problem der zu hohen Geschwindigkeit anzugehen, seien derweil schon geplant. «Bald wird ein Radarkasten, ein sogenannter Speedy, aufgestellt, der den Autofahrern anzeigt, wie schnell sie unterwegs sind», sagt Iten.
Er selber habe das Gefühl, es gehe «einigermassen geordnet» zu und her. «Natürlich gibt es überall Übeltäter, aber die ganze Lage muss sich wohl noch etwas weiter einspielen.» Bei der Planung der Seestrasse habe man zuerst noch über zusätzliche Hindernisse auf der Seestrasse nachgedacht, um den Verkehr möglichst zu beruhigen. «Doch das Erscheinungsbild der Strasse hätte gleichzeitig gelitten», sagt Iten. Zudem wolle man möglichst wenige Einschränkungen für mögliche Veranstaltungen.
Dies treffe nicht zuletzt auf die Bäume zu. «Auch sie sind in einer gewissen Weise eine Einschränkung.» Dass die Anzahl Bäume auf der Seestrasse stark reduziert wurde, hänge aber in erster Linie mit der Situation im Untergrund zusammen. «Wegen der Werkleitungen sind Bäume immer ein kritischer Punkt», sagt Iten.
Insgesamt sei er mit dem Bauprojekt «zu 99,9 Prozent» zufrieden. Auch von Vertretern anderer Gemeinden erhalte man in Pfäffikon viel Lob für die Gestaltung der Begegnungszone. Gleichzeitig gebe es nach wie vor Stimmen, die sich die komplette Schliessung der Strasse für den Verkehr wünschen. «Recht machen kann man es sowieso nicht allen», sagt René Iten. «Solche Projekte sind immer ein Kompromiss. Hier haben wir einen Guten gefunden.»
