Konzert von Marc Sway fällt Coronavirus-Verwirrung zum Opfer
Reto Schaufelberger wollte alles richtig machen. Nach der Medienkonferenz des Bundesrates am Mittwoch, als die neuen Richtlinien für Anlässe über 150 Personen kommuniziert wurde, setzte der Betreiber des Pfäffiker Chesselhuus sofort ein Schreiben an den Kanton auf. Mit diesem wollte er sicherstellen, dass er rechtzeitig eine Bewilligung für das Konzert von Marc Sway am Donnerstagabend erhält. «Am nächsten Morgen war ich dann während zwei Stunden am Telefon mit Kantonsvertretern und erhielt immer wieder andere Aussagen, ob das Konzert nun durchgeführt werden kann oder nicht», sagt er.
Um 10 Uhr habe man in Absprache mit dem Management von Marc Sway entschieden, die Veranstaltung abzusagen. «Ein Konzert dieser Grösse braucht für uns, die Band und die Techniker eine Vorbereitungszeit, welche uns nicht erlaubt, auf eine mögliche Bewilligung bis zum späteren Nachmittag zu warten.»
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06.03.2020

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Die Auswirkungen des Coronavirus sind auch in der Region bemerkbar. Das ist bis zum 7. Beitrag in Merkliste speichern Dabei übt Schaufelberger Kritik an der Kommunikation der «Leute an der Front». Als Veranstalter sei er auf klare Vorgaben in einem «sinnvollen Zeitrahmen» angewiesen. «Die neuen Regelungen kommen immer per sofort, doch wir müssen dann ewig auf offizielle Bewilligungen warten.» Die politische Gemeinde Pfäffikon, die Besitzerin des Chesselhuus, das Platz für bis zu 720 Personen bietet, habe ihm auch nicht weiterhelfen können, da die Abklärungen über den Kanton laufen.
Auf Facebook ruft Marc Sway per Videobotschaft für Verständnis auf: «Ich glaube, die Behörden laufen im Moment am Anschlag. Es braucht in einer solchen Ausnahmesituation von uns allen grössere Toleranz – wir nehmen es wies kommt.»
Sänger Marc Sway richtet sich via Facebook an seine Fans:
Natürlich falle der Entscheid, eine Veranstaltung abzusagen, nicht leicht, sagt Reto Schaufelberger. Er sei jedoch nicht der Typ, der das geplatzte Konzert als Katastrophe bezeichnet. «Die Gesundheit geht vor – auch wenn hier meines Erachtens ein zu grosser Hype veranstaltet wird.» Auch über verlorenes Geld wolle er nicht jammern. «Wenn aber der Kanton im Laufe des Tages seine Meinung wieder ändert und die Bewilligungspflicht lockert, dann würde mich das hässig machen», sagte Schaufelberger noch kurz vor Mittag.
Kleinere Anlässe bleiben erlaubt
Doch genau so kam es. Am Nachmittag informierte die Zürcher Gesundheitsdirektion, man weiche von den Empfehlungen des Bundes ab und erlaube Veranstaltungen bis 1000 Personen auch ohne Bewilligung. Wie Marcel Odermatt, Sprecher der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich sagt, sei es aber unmöglich, alle Veranstaltungen im Kanton zu prüfen und entsprechende Bewilligungen zu erteilen. «Wir halten deshalb am alten Konzept fest: Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern sind verboten, kleinere Anlässe bleiben auch ohne Bewilligung erlaubt.»
Die Pressekonferenz des Bundes fand am Mittwochabend statt. Der Kanton Zürich konnte seine Beurteilung deshalb erst am Donnerstagmorgen durchführen, wie Odermatt weiter sagt. Man appelliere an die Eigenverantwortung der Menschen. «Ältere Personen sowie sonstige Risikogruppen sollten sich vor Massenveranstaltungen fern halten.» Und die jüngere Generation sollte sich aufgrund der aktuellen Situation zweimal überlegen, in einem Club feiern zu gehen. Damit helfe man, die Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern.
«Das ist unterste Schublade. »
Reto Schaufelberger, Betreiber Chesselhuus
Auf erneute Nachfrage macht Reto Schaufelberger seinem Ärger Luft. «Dass der Kanton ‹ seinen Karren › nicht im Griff hat, ist schlimm.» Er habe am Donnerstagmorgen sogar noch persönlich mit Marcel Odermatt telefoniert. «Doch auch er konnte mir zu diesem Zeitpunkt keine konkrete Angabe machen. » Er habe dem Verantwortlichen dann deutlich die Meinung gesagt. «Das ist unterste Schublade. Ganz schwach.»
Dass es für das Konzert von Marc Sway kein Zurück mehr gebe, haben er und seine Teamkollegen akzeptiert. Rechtliche Schritte oder Möglichkeiten für Schadensersatz prüfe man aber gar nicht. «Wir setzen unsere Power lieber für etwas Positives ein.»
Für das Konzert von Marc Sway soll es ein Verschiebedatum geben, die Tickets behalten ihre Gültigkeit. «Da die Lage derzeit aber so unsicher ist und sich oft von Stunde zu Stunde ändert, warten wir noch damit, einen konkreten Termin zu kommunizieren», sagt Schaufelberger.
