Ein Jude in Zürich traut sich nicht mehr, seine Kippa zu tragen, damit er nicht beschimpft wird. Ein kranker Rechtsextremer in Deutschland erschiesst zuerst neun Menschen und dann seine Mutter und sich selbst, ein anderer Täter fährt mit seinem Auto in einen Karnevalsumzug. Angebliche Edel-Restaurants haben Grüsel-Küchen, in denen grün-verschimmeltes Fleisch auf dem Boden herumliegt. Das Coronavirus scheint sich mindestens so schlimm auszubreiten, wie einst die Pest – eine Schreckensmeldung jagt die nächste.
«Wie ich mir wünschte, dass doch jetzt endlich einmal genug sei mit schlechten Nachrichten.»
In den letzten Tagen habe ich mich mehrmals ertappt, wie ich mir wünschte, dass doch jetzt endlich einmal genug sei mit schlechten Nachrichten. Und ich merkte, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht. Jemand aus meinem Bekanntenkreis meinte: «Mit der Menschheit geht es nur noch bergab.» Ist das unsere schöne, neue Welt, für die wir so hart und lange gearbeitet haben? Und plötzlich ist er wieder da, dieser Gedanke, dass doch früher alles besser war.
Aber natürlich ist das Unsinn. Auf keinen Fall war früher alles besser. Vor 400 Jahren wütete in Europa der Dreissigjährige Krieg. In der Zeit von 1618 bis 1648 fanden insgesamt 65 grosse Schlachten statt, in denen die Völker Europas sich gegenseitig umbrachten und der Bevölkerung unsägliches Leid zufügten.
Die Heerführer aus Spanien, Frankreich, Österreich, Schweden oder Deutschland konnten ihre Soldaten schon bald nicht mehr bezahlen, deshalb raubten die Söldnerheere die jeweiligen Länder aus, in denen sie sich gerade befanden. Historiker sind sich nicht einig, wie viele Tote dieser Krieg insgesamt gefordert hatte. Die Schätzungen bewegen sich zwischen 4 bis 9 Millionen.

