Hansueli Kobel kann sich glücklich schätzen, er hat die wohl geduldigsten Hotelgäste der Welt. Kobel ist allerdings nicht Hotelier, sondern Inhaber der Kobel Gartengestaltung in Bubikon und seine Gäste sind Bäume. Sehr geliebte Bäume. Mit grossem Aufwand wurden sie vor der Motorsäge gerettet und im Baumhotel in Egg, das zur Bubiker Gartenbaufirma gehört, einquartiert.
Es sind Verpflanzungsaktionen der Superlative. Ein altehrwürdiger Baum samt Wurzelstock wiegt schnell einmal bis zu fünfzehn Tonnen. «Manchmal sind Strassensperren oder eine Polizeieskorte nötig», sagt Kobel.
Ahorn statt Gartenumbau
Oftmals stehen die Bäume Bauprojekten im Weg. Sie dürfen vorübergehend im Freiluft-Hotel logieren, weil es der Besitzer nicht übers Herz bringt, sie zu fällen. Nach ein bis zwei Jahren in der Obhut der Bubiker darf der Baum wieder an seinem alten Standort Wurzeln schlagen.
In rund der Hälfte der Fälle bietet der Besitzer dem Unternehmen ein Baum als Geschenk an. Kobel muss dann abwägen, ob sich die Verpflanzung lohnt und er dafür einst einen Abnehmer finden könnte. Aufgrund des logistischen Aufwands muss er zwischen 5000 und 20’000 Franken pro Baum verrechnen. «Es gibt immer wieder Menschen, die von der Ausstrahlung eines Baumes so fasziniert sind, dass sie sich das leisten möchten», sagt Kobel.

