Lange war er aus Sicherheitsgründen in Deckung geblieben. In der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens von 1994 wurden seine Zitate im Gegenlicht verlesen, im Buch «Verschlüsselt» wird er als ehemaliger Mitarbeiter erwähnt. Aber jetzt hat sich Peter Frutiger entschieden, als Kronzeuge namentlich mit seinem Wissen gegen die Zuger Chiffriergerätefirma aufzutreten.
Am Samstag meldete er sich per E-Mail bei dieser Zeitung: «Ich habe diese Firma aus Protest verlassen, die Wahrheit wollte man damals nicht preisgeben», schreibt Frutiger. Und: «Dass unser Staat darüber nichts wusste, ist völlig falsch!» Kurz zuvor hatte der inzwischen 83-jährige Ingenieur zwei Reporter der «NZZ am Sonntag» bei sich zu Hause zu einem zweistündigen Gespräch empfangen.
Frutiger war Mitte der Neunzigerjahre schon der wichtigste Belastungszeuge im Fall Bühler. Verkaufsingenieur Hans Bühler war während einer Geschäftsreise im Iran verhaftet worden, blieb in einem Teheraner Militärgefängnis neun Monate lang inhaftiert und wurde nach seiner Rückkehr in die Schweiz von der Crypto entlassen. Auf seiner unermüdlichen Suche nach Wahrheit half ihm der frühere Crypto-Entwicklungschef Frutiger.
Er fand einen «roten Faden»
Peter Frutiger war der Erste, der Bühlers Vermutung von kompetenter Seite bestätigte: Die Crypto hat ihre Chiffrierung seit der Gründung den US-Geheimdiensten NSA und CIA zugänglich gemacht und dazu die Geräte auch manipuliert. Als junger ETH-Mathematiker war Frutiger in die Firma eingestiegen und wurde in den Siebzigerjahren von Gründer Boris Hagelin damit beauftragt, für die Firma die erste Generation digitaler Chiffriergeräte zu entwickeln.

