Radon-Grenzwert in einem Raum leicht überschritten
Nach dem Rauchen ist Radon die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Etwa 200 bis 300 Tote werden in der Schweiz jährlich Radon zugeschrieben. Das Gas ist ein Abbauprodukt von Uran und kommt in jedem Boden vor. Je nach Durchlässigkeit des Untergrunds strömt es nach oben, kann in Gebäude eindringen und sich in der Raumluft anreichern.
Per 1. Januar 2018 hat der Bundesrat den Grenzwert für die erlaubte Radonkonzentration auf einen Drittel des früheren Werts gesenkt. Neu gilt somit der Grenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter statt bisher 1000 Becquerel für die über ein Jahr gemittelte Radongaskonzentration. Dies bezieht sich auf «Räume, in denen sich Personen regelmässig während mehrerer Stunden pro Tag aufhalten», heisst es in der revidierten Verordnung.
Tödliche Strahlen im Keller
25.09.2019

Radonmessung im Oberland
Derzeit wird in den Ustermer Schulen und Kindergärten die Radonkonzentration gemessen. Beitrag in Merkliste speichern In diesem Zusammenhang ordnete der Kanton Zürich an, flächendeckende Radonmessungen in Schulen, Kindergärten und Kinderkrippen durchzuführen. In Hittnau wurden die entsprechenden Messungen in der Zeit zwischen Sommer 2018 und Sommer 2019 vorgenommen.
30 Jahre Zeit für Massnahmen
Erste Ergebnisse hat die Schule Hittnau nun online publiziert: Die Messwerte liegen «deutlich unter dem neuen, verschärften Grenzwert – mit einer Ausnahme». Im Psychomotorikraum im Untergeschoss des Kindergartens Oberhittnau wurden leicht erhöhte Werte gemessen, die aber immer noch weit unter dem früher geltenden Grenzwert liegen.
Die interaktive Radonkarte des Bundesamtes für Gesundheit zeigt die Wahrscheinlichkeit, den Referenzwert zu überschreiten:
«Eine Gefährdung für Personen, die sich darin aufhalten, besteht nicht», heisst es in der Mitteilung. «Dies insbesondere auch, weil die Aufenthaltszeiten kurz sind.» Entsprechend gering seien deshalb auch die Auflagen, die der Kanton für die Behebung des Mangels vorschreibt: Er gibt dafür 30 Jahre Zeit. Die Sanierungsmassnahme könnte etwa in einer besseren Raumlüftung bestehen. «Wozu die Schule Hittnau natürlich nicht 30 Jahre benötigt», heisst es weiter.
Unabhängig von der Radonmessung seien Bestrebungen im Gang, den Psychomotorikraum in absehbarer Zeit anderswo unterzubringen. «Der derzeitige Raum ist für diesen Zweck zwar nutzbar, aber alles andere als optimal.» Im Zuge der permanent laufenden Schulraumplanung werden deshalb andere mögliche Standorte gesucht.
Messungen während eines ganzen Jahres
Der Zeitplan für den Start der Radonmessungen hat der Kanton vorgegeben: 2018 die Bezirke Hinwil, Pfäffikon, Winterthur und Zürich, 2019 die Bezirke Uster und Meilen, 2020 die Bezirke Horgen, Affoltern und Dietikon und schliesslich 2021 die Bezirke Dielsdorf, Bülach und Andelfingen. Da der Radongehalt für die Messungen während eines ganzen Jahres beobachtet wird, ist mit konkreten Zahlen erst deutlich verzögert zu rechnen. Die Messergebnisse aus Hittnau sind die ersten in der Region, die öffentlich publiziert wurden.
Eine kleine Umfrage zeigt: Aus der Gemeinde Pfäffikon gibt es noch keine spruchreifen Ergebnisse. In Bauma wurden die Messungen bereits abgeschlossen, die Auswertungen liegen jedoch erst teilweise vor, wie Gemeindeschreiber Roberto Fröhlich sagt. Und in Fehraltorf wurden die Messgeräte gemäss Gemeindeschreiber Marcel Wehrli erst vor einigen Tagen entfernt. In anderen Gemeinden ist die Messung noch gar nicht abgeschlossen. So etwa in Illnau-Effretikon, wo die Messungen erst seit letztem Sommer laufen, wie Stadtschreiber Peter Wettstein auf Anfrage sagt. Ähnlich tönt es aus den Gemeinden im Bezirk Hinwil. Somit dürften weitere Resultate im Laufe des Jahres bekannt werden.
Warum Radon gefährlich ist
Radon ist ein natürliches, überall vorkommendes radioaktives Edelgas, das farb-, geruch- und geschmacklos ist. Es ist ein Zerfallsprodukt des in Böden und Gesteinen vorkommenden radioaktiven Schwermetalls Uran. Von dort aus kann es relativ leicht entweichen und sich über Bodenluft oder gelöst in Wasser ausbreiten. Dabei kann es auch in die Raumluft von Gebäuden gelangen.
Über die Luft eingeatmetes Radongas wird zum überwiegenden Teil gleich wieder ausgeatmet. Das grösste gesundheitliche Risiko geht also nicht vom radioaktiven Edelgas Radon selbst aus, sondern von dessen kurzlebigen Zerfallsprodukten. Die in der Raumluft vorhandenen freien Zerfallsprodukte lagern sich an luftgetragene Schwebeteilchen (Aerosole) an. Beim Atmen werden die freien Zerfallsprodukte und die Aerosole in der Lunge abgelagert. Von dort senden sie ionisierende Strahlung aus, die das unmittelbar umgebende Lungengewebe schädigen und letztendlich Lungenkrebs auslösen kann.
Die Radonkonzentration wird in Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) gemessen. 300 Bq/m3 bedeuten, dass in einem Volumen von einem Kubikmeter Luft pro Sekunde 300 Radonatomkerne unter Aussendung ionisierender Strahlung zerfallen. (Quelle: Bundesamt für Gesundheit)
