Wer sich am Arbeitsplatz kollegial und moralisch integer verhält, gilt als Vorbild und wird gerne gerühmt. Doch wie wir alle wissen, sind beim Kampf um Aufträge, Boni und Karrieresprünge Ellbogen wichtiger als hehre Ethik. Und da gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten – und die sind ja immer irgendwie angespannt – inner- wie ausserbetriebliche Konkurrenten lauern und einem das Bein stellen wollen, fragen sich die Akteure, ob sie wirklich auf Kooperation oder nicht doch besser auf Egoismus setzen.
Doch kann man auch wissenschaftlich exakt herausfinden, ob sicher eher das rücksichtlose oder eher das moralisch vorbildliche Verhalten auszahlt? Um darauf eine verlässliche Antwort zu finden, haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionstheorie in Plön (Schleswig-Holstein) ein entsprechendes Experiment entwickelt.
Zu diesem Zweck wurden die Erfolgsaussichten beider Verhaltensstrategien untersucht, wobei das Ergebnis ernüchternd ausfällt, denn eine als «Ausbeutung» umrissene Strategie wird von den Wissenschaftern als besonders erfolgreich bezeichnet – dies deshalb, weil Kooperation und Egoismus derart abwechselnd eingesetzt werden, dass der Mitspieler sich nicht dagegen wehren kann.
«Ausbeuter erscheinen oft als nette Kollegen.»
Professor Manfred Milinski
Die Schlussfolgerung des Leiters der Studie, Professor Manfred Milinski, ist glasklar: «Ausbeuter erscheinen oft als nette Kollegen», meint er, «sie beantworten Freundlichkeit mit Freundlichkeit, so dass Konkurrenten an ein Missverständnis glauben, wenn sie immer wieder über den Tisch gezogen werden. Diese müssen mitspielen, um nicht selbst noch mehr zu verlieren. Die scheinbar freundliche, aber beinharte Ausbeuterstrategie zahlt sich durch Mehrgewinn aus.»

