Auf einem Spaziergang mit einem Freund plauderten wir über dies und das, waren bestens gelaunt und freuten uns auf eine Pause in einer Beiz. Da begegnete uns einer seiner Arbeitskollegen. Wir begrüssten uns und wechselten ein paar Worte.
Dann fragte dieser, ob er mit uns kommen könne, er habe Zeit. Wir konnten nicht nein sagen und setzten den Weg zu Dritt fort. Doch die fröhliche Stimmung war weg. Wir sprachen ganz anders, wir verhielten uns ganz anders. Wir waren etwas enttäuscht, denn Gelegenheiten, locker miteinander zu tratschen, sind rar.
«Im Beisein einer anderen Person verhält man sich ganz anders als wenn man alleine ist.»
Im Beisein einer anderen Person verhält man sich ganz anders als wenn man alleine ist. Mit dem Gegenüber verändert sich die Haltung, der Sprachstil, die kommunizierten Gedanken. Ich glaube, das trifft auf alle zu. Jede und jeder spielt je nach Situation eine Rolle. Ob man nun die Vorgesetzte, die Angestellte, die Erziehende, die Gehorchende, die Tobende, die Unterwürfige, die Schmeichelnde oder die Bestimmte ist.
Jedes Mal ist man ganz anders, ohne sich selber zu verleugnen oder zu verraten. Darum stellt sich die Frage: Wie bin ich eigentlich? Und wann? Eigentlich bin ich ganz anders. Aber ich bin selten alleine. (Guy A. Lang)

