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Politik

Auch Erwachsene können spielerisch besser lernen

Seit einem Jahr lernt Standpunkt-Autor Dominik Landwehr auf spielerische Art und Weise spanisch. Möglich macht das in seinen Augen der digitale Fortschritt.

Seit genau 365 Tagen lerne ich  spanisch. Wichtig ist das nicht. Ich würde es auch nicht wissen, wenn mir nicht meine App zum Sprachenlernen das in diesen Tagen mitgeteilt hätte. Und nicht nur das. Sie hat mir auch dazu gratuliert, dass ich an jedem einzelnen Tag brav meine Übungen gemacht habe. Naja, fast jedenfalls. Die App weiss auch, dass das nicht immer geht und hat einen Schummel-Mechanismus eingebaut. Davon später mehr.

Was taugt das Ganze? Spielerei oder ernsthaftes Lehrmittel? Das lässt sich anhand eines standardisierten Einstufungstests leicht feststellen. Das gibt es alles im Internet, und zwar gleich mehrfach. Den klügsten Test habe ich bei den Migros-Klubschulen gefunden. Klug, weil bei diesem Test nicht primär die Grammatik, sondern das Sprachverständnis getestet wird. Ich habe etwas mehr als die Hälfte der Fragen für das Niveau A1 richtig beantworten können. Damit ist für mich die Sache klar: Für den Anfang hat es geklappt. Als Einstieg für einen Sprachaufenthalt, wie ich ihn gerade absolviere, sind solche Instrumente offenbar geeignet.

«Die Digitalisierung verändert unser Lernverhalten.»

Duolingo, so heisst meine App, vermittelt auf spielerische Weise den Einstieg in eine neue Welt. Sie tut das übrigens mit einem guten Slogan: «Mit 15 Minuten pro Tag können Sie eine neue Sprache lernen. Was können Sie mit 15 Minuten Social Media»? Spielen ja, Spielerei nein. Spielerisches Lernen ist ein aktuelles Schlagwort. Warum haben die Finnen einmal mehr im Pisa-Test so gut abgeschnitten? Ein Artikel in der «NZZ» hat mir in diesen Tagen die Antworten geliefert: Man setzt im Norden auf spielerisches Lernen. 

Duolingo will, dass ich jeden Tag übe. Wenn ich das schaffe, verlängert sich mein so genannter Streak. Ich weiss zwar nicht genau, was das ist, aber offenbar ist das wichtig. Und: Ich muss jeden Tag eine bestimmte Punktezahl erreichen. Mit meinem Punktekonto kann ich mir Dinge kaufen – zum Beispiel einen neuen Avatar, das Symbol, das mich durch das Programm führt. Oder ich kann mit diesen Punkten auch einen faulen Tag überbrücken und einmal nicht lernen. Das Programm lobt mich unentwegt und wenn ich etwas einmal nicht begreife, ermuntert es mich trotzdem weiter zu machen. Das ist zwar total durchsichtig, aber bei mir funktioniert das. 

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