Wollte man Lea Laasner auf ein einziges Wort reduzieren, wäre es wohl Kraft. Das wird den Anwesenden schnell klar. Gut 30 Personen erleben am Montagabend in der reformierten Kirche Uster, wie die 39-Jährige über ihren Lebensweg spricht. Oder besser: Über ihren Weg zurück ins Leben. In ihr eigenes, in ein normales Leben.
Laasner ist keine Unbekannte. 2005 veröffentliche sie ein Buch, mit dem sie im In- und Ausland für Bestürzung sorgte. «Allein gegen die Seelenfänger» heisst es und erzählt ihre Geschichte – die alles andere als gewöhnlich ist: Sexuelle Übergriffe, Gehirnwäsche, Isolation und weitere Widrigkeiten prägen Laasners frühe Jugend. Dies, nachdem sich ihre Eltern der Sekte Ramtha im mittelamerikanischen Belize angeschlossen hatten.
Missbrauch in seinen verschiedenen Facetten steht im Zentrum der diesjährigen Themenreihe der Reformierten Kirche Uster. Organisiert hat sie Pfarrerin Silvia Trüssel vom Schwerpunkt Seelsorge. Sie sei beeindruckt gewesen von der Kraft, die Laasner nun, nach ihrer Rückkehr in das «normale Leben», ausstrahle, sagt Trüssel einleitend.
Essstörung als Ventil
Diese Kraft kommt zum Ausdruck, als die Buchautorin ihre Erfahrungen schildert. Nicht etwa dadurch, dass sie ihre Lebenskraft durch ihr Auftreten oder ihre Eloquenz zeigen müsste. Sie spricht mit ruhiger Stimme, stockt dann und wann auf der Suche nach dem richtigen Wort, lässt sich Zeit mit ihren Antworten. Und berührt damit das Publikum.

