2019 war das Jahr des Klimas. Die Diskussion wurde in vielen Medien befeuert, erreichte den Familientisch und Ansichten von Generationen prallten aufeinander. Das Ranking des Wort des Jahres für die Deutschschweiz zeigt, wie tiefgreifend das Thema unser Jahr beeinflusst hatte: Rang 1 belegt «Klimajugend», Rang 2 «OK Boomer» und Rang 3 «Flugscham». Anhand dieser Auswahl zeigt sich ganz schön: Der Klimawandel ist mehr als eine politische Diskussion.
Erstens wird das Thema in Alterskategorien eingeteilt. «Klimajugend» exkludiert ganz klar all jene, die selbst nicht mehr jugendlich sind. Mich als noch unter 30-Jährige eingeschlossen. Die Phrase «OK Boomer» zeigt dies noch deutlicher: Es ist eine Antwort darauf, wenn sich Personen der Babyboomer-Generation kritisch gegenüber der Meinung jüngerer Personen äussern.
Hat die Meinung älterer Leute weniger Wert? Ich finde nein.
Darf man heute also jüngere Personen nicht mehr kritisieren, nur weil man älter ist? Muss man sich dafür schämen, dass man eine andere Meinung hat und diese kundtut, nur weil man älter ist? Hat die Meinung älterer Leute weniger Wert? Ich finde nein. Dieses Shaming ist absolut unangebracht und zeigt, dass die Diskussion teilweise ideologisch verblendet ist. Es sollte doch darum gehen, am gleichen Strick zu ziehen. Anstatt sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben.
Die Schuld am Klimawandel wird also einer ganzen Generation zugeschoben: Nur aufgrund ihres Alters, unabhängig von ihrem Lebensstil. Ich halte das für sehr frech. Jene Generation, in der sich alle ein Smartphone leisten können. Die noch keine Steuern und Abgaben selber zahlen musste. Für die neue Kleider kein Luxus, sondern normales Konsumverhalten sind. Und die bereits mehr von der Welt bereisen konnte, als so mancher Rentner. Diese Generation will all jene als Klimasünder brandmarken, die früher noch gebrauchtes Geschenkpapier bügelten, kein Essen wegschmissen, sondern weiter verwerteten, und die Kleider noch flickten, anstatt neue zu kaufen. Im Ernst?

