Der Parkplatz ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Aus dem halben Land sind die Leute an diesem Freitagmorgen nach Kollbrunn geströmt. Appenzeller, Schwyzer, Urner, Glarner und Bündner Nummernschilder reihen sich neben Zürcher, Thurgauer und St. Galler.
Grund für den Grossaufmarsch ist ein ganz besonderer Anlass: Eine Gant, wie es sie in der Schweiz nur selten gibt. Versteigert wird die Hinterlassenschaft von Paul Klauser. Der im August verstorbene Sattler war weit über das Tösstal hinaus für sein Kunsthandwerk bekannt. Seine Spezialität waren Trycheln und die dazugehörigen Glockenriemen aus Leder, geschmückt mit traditionellen Stickmotiven und Dachsfellrändern.
Besonderheiten und Raritäten
Neben rund 800 Kuhglocken in allen Formen und Grössen kommen an diesem Tag viele Raritäten aus dem Inventar der Sattlerei unter den Hammer: Sattlerwerkzeug, Nähmaschinen, Werkbänke, Pferdezaumzeug und Metallbeschläge sowie Restposten von Leder, Dachsfell und Textilien stehen zum Verkauf. Die Gant lockt daher nicht nur Bauern sondern auch Sammler und Berufskollegen des Verstorbenen an.
Sie alle drängen sich in der Werkhalle der ehemaligen Spinnerei Bühler, in der die Versteigerung stattfindet. Schweigsame Männer in Arbeitskleidung begutachten die Waren, spielende Kinder rennen zwischen den Erwachsenen umher. An den Festbänken im hinteren Teil der Halle sitzen Gruppen bei Kaffee und Kuchen zusammen und in einer Ecke brutzeln Bratwürste auf dem Grill.

