Heute Abend ist es wieder soweit: Kerzen erhellen den dunklen Winterabend. Seien sie aus Wachs, Paraffin oder mit LED-Lämpchen bestückt, sie verbreiten eine sanfte Atmosphäre, beruhigend, festlich. Licht, in diesen kurzen Tagen eine wohltuende Erscheinung, weckt Hoffnung, dass es nicht immer so dunkel bleibt.
Es ist doch beruhigend, dass wie nicht im hohen Norden leben, wo es im Winter kaum dämmert. So viele Kerzen, um dieses Dunkel zu durchbrechen und ins Helle zu drehen, gibt es gar nicht. Glücklicherweise verzaubert dort das Polarlicht mit seinen Leuchterscheinungen die Eislandschaft.
Noch schlimmer ist die Vorstellung, dass es Lebewesen gibt, die nur im Dunkeln leben. Ihre Augen sind verkümmert. Ich denke hier an die so genannten Nacktmulle. Sie existieren in grossen unterirdischen Höhlen, zeichnen sich durch kaum Behaarung und zwei auffallend grosse Nagezähne aus. Damit nagen sie sich durch den harten Wüstenboden, immer im stockdunklen.
Etwas besser haben es Maulwürfe. Sie kommen wenigstens ab zu ans Licht, wenn sie ihre Erdhaufen aufwerfen. Auch die Vorstellung in der dunklen, feuchten Erde zu vegetieren ist nicht besonders angenehm. Wie behaglich ist es doch in unseren geheizten Zimmern, vor allem wenn draussen der Wind heult und die Schneeflocken wild durcheinander wirbeln. Mir ist schon bewusst, dass dies eine Vorstellung ist, die mit der Realität wenig zu tun hat: Lässt uns die weisse Pracht doch schmählich im Stich. Gewöhnen wir uns also ans frühe Dämmern.
Auch wenn wir an akutem Sonnenmangel leiden, wissen wir doch, dass dem kürzesten Tag bald die Tag- und Nachtgleiche und dann gar der längste Tag folgt. Wenn es nur hell wäre, würden wir uns auch wieder beklagen: Wegen des Schlafens, das bei Licht eher unruhig wäre.

