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Politik

Es sind die Träumer und nicht die Zweifler, die die Welt verändern

Wer die kleinen Dinge im Alltag nicht zu erledigen vermag, der erreicht auch die grossen Dinge nicht. Standpunkt-Autor Heinz M. Schwyter hat über diese Weisheit nachgedacht. Wer die Welt verändern wolle, müsse die Menschen an der Grösse des Herzens messen.

Der amerikanische Navy Admiral William McRaven sprach über die Wichtigkeit, die kleinen Dinge zu erledigen. Er sagte: Wenn du die Welt verändern willst, fang an dein Bett zu machen! Er begründete dies damit, dass mit dieser Arbeit schon die erste Aufgabe des Tages erledigt sei. Dies würde einen stolz machen und zu weiteren Taten ermutigen. Und bis zum Ende des Tages könnten nach dieser ersten Arbeit viele andere Aufgaben erledigt werden. Diese einfache Aufgabe, das eigene Bett machen, zeige, dass es auf die kleinen Dinge im Leben ankomme. Wer die kleinen Dinge nicht erledigen könne, würde niemals fähig sein, die grossen Dinge richtig zu machen. Und wer nach einem schwierigen Tag in ein gemachtes Bett steigen könne, den erfülle ein gutes Gefühl. Das Gefühl, dass der nächste Morgen besser sein wird.

McRaven erwähnte dann das Nachtschwimmen in einem Gebiet, das von Haien wimmelte. Vor dem Start informierte der Instruktor über die verschiedenen Hai-Arten. Er beruhigte, dass bisher noch nie ein Rekrut von einem Hai gefressen worden sei. Und er gab Tipps für den Fall, dass ein Hai auf einem zu schwimme. Der Admiral betonte, dass es auf dieser Welt viele Haie gäbe. Wer also das Nachtschwimmen beenden wolle, müsse lernen, mit diesen Haien umzugehen. Wer die Welt verändern wolle, dürfe den Haien nicht den Rücken zu kehren.

Beeindruckt wies der Berufssoldat darauf hin, dass nicht die Grossen, Kräftigen auch die Schnellsten, die Sieger waren. Unter den 42 Rekruten gab es eine Gruppe, die von den anderen nur die «Knirpse» genannt wurde. Keiner dieser Truppe war länger als 1,64 Meter, aber die «Knirpse» hatten immer die Nase vor. Und so meinte McRaven, dass bei diesen Rekruten nichts ausser dem Willen zum Erfolg zählte. Nicht die Hautfarbe, nicht der ethnische Hintergrund, nicht die Bildung oder der soziale Status.

Wer die Welt verändern wolle, solle eine andere Person an der Grösse des Herzens messen und nicht an der Schuhgrösse. Eine Person können die Welt verändern, indem sie den Menschen Hoffnung gebe. Wer also die Welt verändern wolle, starte jeden Tag mit einer Aufgabe, die auch erledigt würde. Wie eben das eigene Bett machen. Das Leben wäre nicht fair und es würden immer wieder Stolpersteine im Wege liegen. Wer aber bereit sei Risiken einzugehen, der würde auch in härtesten Zeiten wieder aufstehen, sich auflehnen und niemals aufgeben. Und so würden die Generationen nach uns in einer besseren Welt leben, als in der wir heute lebten.

Ein typisches amerikanisches Märchen, höre ich nun sagen. McRaven hat diese Rede wirklich gehalten, nämlich an der Brevetierung der von ihm ausgebildeten Spezialeinheit. Bedeutet diese Ansprache nicht mehr als eine schöne Geschichte? Passt sie nicht perfekt in unsere ver-rückte Welt? Wenn es draussen länger dunkel ist, wenn die grauen Wolken tief ins Tösstal hängen – suchen wir dann nicht die Helligkeit, die Wärme? Schmücken wir nicht die Häuser und Bäume mit den Girlanden, um Licht ins Dunkel zu bringen? Auch ich wundere mich immer mehr über die ausufernde Weihnachtsdekoration. Da sprechen wir von Stromsparen und schliessen trotzdem noch weitere 20 Meter elektrische Lämpchen ans Netz. Dieses Verhalten zeigt mir, dass wir Alle voller Widersprüche sind.

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