Fotografieren ist meine grosse Leidenschaft. Als mir ein Freund 2011 eine kleine Digi-Cam zum Geburtstag schenkte, glaubte ich im Traum nicht daran, dass ich eines Tages auch beruflich fotografieren würde. Ich fotografierte alles aber wirklich alles, was mir vor die Linse kam. Hunde, Katzen, Kühe, ich kroch auf dem Boden herum, auf der Suche nach einer Schnecke oder einem Käfer und in die Blumen, bin ich fast hinein gekrochen.
Bald fing ich an, meine Fotos mit denen professioneller Fotografen zu vergleichen und versuchte ihnen nachzueifern. Die Bewunderung für all die perfekten Hochglanzfotos, zum Beispiel von malerischen Landschaften oder seltenen, farbenfrohen, exotischen und wilden Tieren war gross. Ich wollte unbedingt auch solche Fotos machen können.
Ich achtete auf immer mehr Details und begann Einstellungen zu optimieren und Motive zu arrangieren. Auch ich fing an, Tierchen mal auf ein hübsches Blättchen zu setzen, ich setzte meinem Hund eine Nikolausmütze auf oder «spannte» einmal zwei Schnecken vor eine Modell-Kutsche. Natürlich nicht! Sie krochen einfach davor her, aber es sah so aus, als würden sie die Kutsche ziehen.
Niemals aber kam es mir in den Sinn, für das «perfekte» Bild, von einem Tier irgendetwas zu erzwingen und es zum Posieren zu vergewaltigen. Oberstes Gebot ist der Respekt gegenüber dem fotografierten Motiv, egal, ob Mensch, Pflanze oder Tier.
Gerade komme ich zurück, von einer Reise durch Madagaskar. Eine Fotoexpedition, teils durch den Regenwald, zusammen mit zwölf anderen Fotografen. Die Vorfreude und die Erwartungen an diese Reise waren sehr gross. Ich freute mich auf überwältigende Landschaften und wilde, exotische Tiere, die wir auf unserer Pirsch durch den Wald entdecken würden. Zusammen auf die Lauer zu gehen, bis uns ein flinker Lemur vor die Linse springen würde oder ein buntes Chamäleon unser Weg kreuzt. Ich freute mich auf viele Postkarten- und Kalender-Motive, unzählige Bilder und eine unvergessliche Reise.

