«Die Nachfrage ist auf der S26-Linie nicht so gross»
Bald verkehrt die S26 auch zwischen Bauma und Rüti jede halbe Stunde. Wer profitiert am meisten davon?
Christian Vogt: Vom Halbstundentakt auf der S26 profitiert das ganze Tösstal. Grosse Vorteile haben natürlich jene Fahrgäste im Abschnitt zwischen Bauma und Rüti, die hatten bislang nur einen Stundentakt.
Wie legt man überhaupt fest, welche Linien ausgebaut, welche Takte erhöht werden müssen?
Ein wichtiger Treiber für den Ausbau ist die Kapazität. Man schaut wo es Engpässe gibt. Das ist das Wichtigste. Dann gibt es auch den qualitativen Aspekt. Durch die vierten Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn sollen alle Linien mindestens einen Halbstundentakt bekommen. Die Nachfrage ist auf der S26-Linie zwar nicht so gross. Doch der Halbstundentakt bei der S-Bahn ist ein wichtiges Kriterium, damit sich die Leute überhaupt für die Benützung des ÖV entscheiden.
Die Einführung des Halbstundentakts zwischen Bauma und Rüti dauerte recht lange.
Erste Gedanken zu diesen vierten Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn hat man sich bereits 2002 gemacht. Sieben Jahre später hatte man das Konstrukt der vierten Teilergänzung. Danach ging es um formale Bedingungen wie Kredite, Bewilligungen und schlussendlich den Bau. Die Region Winterthur und Umland sowie das Tösstal waren der Hauptbestandteil der dritten und letzten Etappe dieser Ergänzungen.
«Ein Viertelstundentakt ist im Tösstal nicht angedacht.»
Christian Vogt, Verkehrsplaner beim ZVV
Sie haben gesagt die Nachfrage sei nicht so gross. Wie viele Pendler nutzen die S26 zurzeit durchschnittlich pro Tag?
Durchschnittlich waren es dieses Jahr über 7000 Personen pro Tag, die in die S26 eingestiegen sind. Unter der Woche sind es mehr als am Wochenende. Dieses Jahr war aber speziell wegen der Totalsperre zwischen Wald und Rüti, die relativ lange gedauert hat. Eine wichtige Aufgabe der S26 ist es, die Zubringerfunktion nach Winterthur zu gewährleisten. Wir schauen, dass die Anschlüsse in Winterthur vor allem nach Zürich gut funktionieren. Das Gleiche gilt auch in Rüti Richtung Zürich und Rapperswil.
Ist der Halbstundentakt nun genügend attraktiv oder ist bereits ein Viertelstundentakt Thema?
Ein Halbstundentakt zwischen Bauma und Rüti bedeutet eine Angebotsverdoppelung. Das heisst: Wir können nicht nur die Qualität des Angebots verbessern, sondern auch langfristig genügend Kapazität schaffen. Ein Viertelstundentakt ist hier also nicht angedacht.
Was müsste geschehen, dass er dennoch realisiert würde?
Mit dem Halbstundentakt haben wir unser Ziel erreicht. Viertelstundentakte haben wir dort eingeführt wo die Nachfrage hoch war. Das ist hier nicht der Fall. Auch langfristig nicht. Raumplanerisch ist das ebenfalls nicht erwünscht.
Inwiefern?
Im Richtplan wurden Siedlungsräume definiert. Die S26 bewegt sich mehrheitlich in Kultur- und Naturlandschaften. Das sind Gebiete, die man raumplanerisch nicht entwickeln möchte. Man verdichtet lieber im Zentrumsgebiet und schützt die anderen.
Schauen wir vom Töss- ins Aatal. Wie sieht der aktuelle Stand der Doppelspur dort aus?
Die Doppelspur auf der Strecke von Uster bis ins Aatal ist per 2035 beschlossen. In jenem Ausbauschritt sind mehrere wichtige Ausbauten im Raum Zürich wie der Brüttener Tunnel, die Vergrösserung des Bahnhofs Stadelhofen und eben auch die Doppelspur Uster- Aatal vorgesehen. Das Parlament hat das diesen Sommer beschlossen. Mit einer Takterhöhung auf jener Strecke müssen wir uns aber noch ein wenig gedulden.
Inwiefern?
Der Angebotsausbau im Oberland bedingt die Doppelspur sowie den neuen Bahnhof Stadelhofen, dessen Bau noch einige Zeit dauert. Zudem ist die Strecke Uster-Aathal eher eng. Es gibt eine Strasse, einen Fluss und am Anfang fährt man durch das Siedlungsgebiet. Heutzutage ist es herausfordernd, in einem besiedelten Gebiet neue Bahninfrastrukturen zu bauen. Bis 2035 sollten aber die Züge auf einer Doppelspur fahren können.
Könnte sich dann der Takt der S5 und der S15 erhöhen?
Der Viertelstundentakt der S5 und der S15 bleibt so. Wir planen aber eine schnelle Linie, die über Oerlikon führt. Das fehlt heute noch. Heute fährt hier ja nur die S14. Die neue Linie soll dann auch die S5 und S15 entlasten. Zudem wollen wir die S9 zum Viertelstundentakt ausbauen. Diese Planungen haben wir vor zehn Jahren aufgenommen. Da steckt viel Arbeit dahinter.
So wechselt der Fahrplan in der Region
Uster
Die neue Buslinie 818 verkehrt halbstündlich ab dem Bahnhof über die Damm- und Oberlandstrasse vorbei am Spital und dann via Rehbühlstrasse bis Weidli und Himmelriich bis zur neuen Endhaltestelle Sportanlage. Montag bis Freitag: 6 bis 22 Uhr, Sonn- und Feiertage: 7 bis 20 Uhr
Die verkürzte Linie 812 fährt im Viertelstundentakt ab Spital direkt über die Wagerenstrasse. Ausserhalb der Betriebszeiten der 818 fährt die 812 auf dem bisherigen Linienweg.
Die Buslinie 817 fährt am Sonntagabend durchgehend im Halbstundentakt.
Durch Zusatzkurse werden die Anschlüsse auf der Linie 842 zuverlässig.
Wetzikon
Robenhausen wird durch die Linie 852 bis Mitternacht im Viertelstundentakt bedient.
Hinwil
Die Busse der Linien 870 zwischen Hinwil, Oberdürnten nach Rüti und die Linie 884 in Rüti fahren neu von Montag bis Freitag anders. Die Linie 870 im 30-Minuten-Takt und die Linie 884 durchgehend im Viertelstundentakt bis 21 Uhr. Die Linie 875 zwischen Hinwil und Ringwil fährt zusätzlich um 15.32 Uhr ab Bahnhof Hinwil beziehungsweise um 15.45 Uhr ab Ringwil.
Bubikon
Die Linie 880 verkehrt abends länger im Takt. Die Linie 970 fährt ebenfalls länger.
Effretikon
In den Nächten des Wochenendes wird die Nacht-S-Bahn SN8 von Zürich HB über Wallisellen nach Pfäffikon ZH verlängert (mit Halt an allen Bahnhöfen).
