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Politik

Tormentarius enervierans

Ob Fliegen, die einen bei der Arbeit ablenken, Politiker, welche ihre Versprechen nicht einhalten oder Eltern, die ihre Kinder plagen. Jeder kennt «Nervensägen». Was macht man mit ihnen? Kolumnist Guy A. Lang kennt ein Geheimrezept.

Diese Worte bedeuten genau das, was Sie empfinden, wenn Sie das nicht verstehen: «enervierende Folter/Qual», also «Quälgeist». Ein anderer Name für das Phänomen ist «Nervensäge». Dass können allerlei Personen, andere Lebewesen oder Gegenstände sein. Zum Glück ist jetzt die Zeit der Lästigsten fast vorbei – die Fliegen lahmen nur noch matt herum. Es ist kein Problem, sie zu erwischen. Allerdings sollte sich dabei das Gewissen regen. Denn auch die lästigen, sich auf Mist und Käse setzenden Insekten sind Lebewesen. In England sind sie sogar hoch geachtet.

Wir wollten vor Jahren bei Harrods, dem berühmten Warenhaus in Londons Knightsbridge, «en Flügetätsch», eine Fliegenklatsche, kaufen. Doch ein distinguierter Verkäufer fragte uns ernsthaft empört: «Do you  brutally beat this poor little creatures to death?», «ob man die armen kleinen Kreaturen brutal totschlage?». Und in der Stadt Bath fotografierten wir eine Strassentafel mit der Aufschrift «Fly tipping is an offence under Environmental protection Act (1990). Offenders may face up to a £ 50,000 fine and/or a prison sentence». Also etwa: Fliegentöten sei ein Angriff auf den Umweltschutz, man könne mit einer Busse von 50'000 Pfund oder Gefängnis bestraft werden.

Aber Nervensägen sind die Biester dennoch, ebenso wie Katzen, die Beete mit Kloss verwechseln, gedruckte Werbung, die trotz Unerwünscht-Schild im Briefkasten landet oder Politiker und Politikerinnen, die alles versprechen und wenig halten. Quälgeister sind noch schlimmer, sie üben ihre Tätigkeit aktiv aus. Etwa Eltern, die ihren Kindern den ungeliebten Spinat aufzwingen oder Kinder, die ihren Eltern unentwegt mit Taschengeldforderungen im Ohr liegen. Ängste fallen ebenfalls unter diese Gattung. Sie quälen mit der unsicheren Zukunft, der unheilbaren Krankheit oder dem versiegenden Bankkonto. Am quälendsten aber ist die Unsicherheit. 

Doch zurück zu den Nervensägen. Ihnen begegnet man am Besten mit Gegensägen. Wer Sie nervt, den müssen Sie entweder meiden oder so lange nerven, bis sie sich genervt von Ihnen abwenden. Hat man dieses Spiel einmal begriffen, macht es wirklich Spass. Und je perfekter Sie darin werden, desto leichter ist Ihr Leben. Das glauben Sie nicht? Probieren Sie es. (Guy A. Lang)
 

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