Kaum wird bekannt gegeben, dass die Firma Apple ein neues iPhone-Modell in ihre Läden bringen wird, bilden sich vor den Verkaufsläden auch schon die ersten Warteschlangen. Scheinbar nehmen Menschen tatsächlich stundelange Wartezeiten in Kauf, damit sie die ersten sind, die das neueste Telefon-Modell kaufen können. Ähnliches zeigt sich, wenn ein berühmter Musiker nach Zürich kommt.
« Die Handy-Käufer und die Fans vor dem Stadion haben beide etwas gemeinsam. »
Dutzende von Fans übernachten vor dem Hallenstadion, damit sie bei der Öffnung des Stadions die ersten Besucher sind – und damit ihrem Idol ganz nahe. Die Handy-Käufer und die Fans vor dem Stadion haben beide etwas gemeinsam: sie erwarten ein grosses Ereignis – und können die Spannung, welche die Wartezeit mit sich bringt, kaum aushalten. Wer nun denkt, dass dies ein Phänomen unserer übersättigten Konsumgesellschaft sei, irrt sich.
Bereits im Römischen Reich wurde die Ankunft, die Anwesenheit oder der Besuch von Amtsträgern im Voraus angekündigt. Besonders Auftritte von Königen und Kaisern waren heiss begehrt und wurden jeweils sehnlichst erwartet. Die Ankündigung solcher Auftritte wurden als «adventus Divi» bezeichnet, auf Deutsch: «Ankunft des göttlichen Herrschers.» Das Wort «Adventus» übernahmen später die Christen, um damit ihre Beziehung zu Jesus Christus zum Ausdruck zu bringen – und es wird bis heute als «Advent» in unserem Sprachschatz verwendet.
« Heute ist es für uns fast unvorstellbar, in was für einer Situation die ersten Christen im Römischen Reich leben mussten. »

