Herr Schluep, Sie haben Elektromülldeponien in Kolumbien, Indien oder Ägypten mit eigenen Augen gesehen. Welche Gedanken zur Konsumkultur in der Schweiz lösen solche Bilder aus?
Mathias Schluep: Konsum ist weder typisch schweizerisch noch europäisch, sondern menschlich. Jeder will konsumieren. Auch die Bewohner der Länder, die keine neuen Geräte, sondern nur ausgesonderte Ware in die Finger bekommen. Sie alle orientieren sich am reichen Westen und streben nach diesem Lebensstandard.
«Viele kämpfen einfach ums Überleben.»
In Ghana setzen Sie sich in der Hauptstadt Accra für den Aufbau eines nachhaltigen Recyclingsystems (siehe Box) ein. Wie kommt es, dass ein Grossteil unseres Elektroschrottes überhaupt in Afrika landet?
Als Erstes muss ich festhalten: Europa exportiert nicht einfach Abfall nach Afrika. Ein grosser Teil der Geräte wird repariert und wiederverwertet. Es wäre wirtschaftlich gar nicht interessant, Ausschussware so weit zu transportieren. Trotzdem landen auch viele defekte Geräte auf den Mülldeponien, wo sie in Einzelteile zerlegt werden. Dadurch sind sehr viele Personen und Zwischenstationen in das ganze Geschehen involviert – von den Importeuren über Zwischenhändler bis hin zur Arbeitskraft auf der Deponie. Doch das macht für mich auch der Reiz dieser Arbeit aus, sie fordert mich fachlich und gleichzeitig habe ich Kontakt mit den verschiedensten Akteuren, vom Minister bis zum armen Arbeiter.
Der Pfäffiker Mathias Schluep ist 50 Jahre alt und ist als Umweltwissenschaftler seit 15 Jahren im Rahmen des Programms «Sustainable Recycling Industries» (SRI) als Projektleiter tätig. Seit 2002 unterstützt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) Entwicklungs- und Schwellenländer in ihren Anstrengungen, E-Waste-Managementsysteme aufzubauen. Das SRI wird vom Seco finanziert und gemeinsam von der Empa und dem Word Resources Forum umgesetzt. Die unterstützten Projekte befinden sich in Kolumbien, Ägypten, Ghana, Indien, Peru und Südafrika. Zusammen mit privaten und öffentlichen Institutionen sollen bestehende, lokale E-Waste-Recyclinganlagen nachhaltiger gestaltet werden.

