Abo

Politik

Wenn die Kaffeemaschine morgens den Geist aufgibt

Weil seine Kaffeemaschine kaputt ging, ist Kolumnist Guy A. Lang zeitweise auf Pulverkaffee und Tee umgestiegen. Zum Glück fand er Hilfe im Repaircafé.

Es war quasi der Mega-Gau: kein Kaffee! Kaffeemaschine kaputt! Am Morgen früh! Der Behälter, der das gemahlene Pulver auffängt, lässt sich nicht mehr in die Maschinen schieben. Kaffee trinken passé. Wach werden eine mühsame Angelegenheit. Und dann lag da noch so ein komisches Plastikteil, das irgendwo rausgefallen war.

Mit meinem eher unterbemittelten technischen Geschick war an Reparieren nicht zu denken. Aber wegen einer Kleinigkeit gleich den ganzen Automaten weg zu schmeissen, ist schlicht dumm. Und der erste Samstag im Monat, an dem das Repaircafé geöffnet hat, war vorgestern. Das heisst warten, fast einen Monat lang, bis zum nächsten ersten Samstag, an dem es wieder geöffnet ist. Pulverkaffee trinken – jetzt kenne ich alle Varianten der Zubereitung: mit einem Löffel, mit zwei und drei Löffeln, mit lauwarmem, mit siedendem Wasser, mit Zucker, ohne Zucker …

Endlich war der ersehnte Samstag da. Ich brachte die Kaffeemaschine ins Café. Doch dort beschied man mir, dass es mit sofort Reparieren nichts werde. Meine Enttäuschung musste derart offensichtlich gewesen sein, dass man mir als Trost einen Kaffee und ein Stück selbstgebackene Quittenwähe kredenzte. Also wieder einen Monat lang Pulverkaffee.

Die verschiedenen Zubereitungsvarianten hatte ich jetzt schon alle hinter mir. Also stieg ich auf Tee um. Ein Monat später: Die Kaffeemaschine kommt auf den Operationstisch. Ich stehe neben dem behandelnden Reparateur – nennen wir ihn Sven – schaue ihm zu und staune, was alles hintern der Hülle eines Kaffeeautomaten an Kabeln, Gewinden, Zahnrädern und dergleichen versteckt ist. Und ich bewundere die Geschicklichkeit von Sven, der so etwas auch noch nie gesehen hat, das Plastikteil wieder implantiert und so die Kaffeeproduktion wieder ankurbelt.

Im Repaircafé sind Kaffeemaschinen die meist gebrachten Gegenstände. Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinker scheinen eine grosse, verschworene Gemeinschaft zu sein. Fragt sich, ob die Apparate zu stark beansprucht oder zu schwach konstruiert werden. Egal, die geschickten Flickhände der freiwilligen Flickengel schaffen dankenswerter Weise Abhilfe. (Guy A. Lang)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?