Politik

Tonnenschwere Dachträger millimetergenau eingepasst

Es sind eindrückliche Zahlen: Mit mehreren Spezialtransporten wurden am Dienstag acht Dachholzträger mit einem Gewicht von total 52 Tonnen und einer Gesamtlänge von über 300 Metern zur Eschenbacher Firma Oberholzer, an der Grenze zu Wald, verfrachtet.

Tonnenschwere Dachträger millimetergenau eingepasst

Marcel Oberholzer klingt aufgeregt, als er am Dienstagmorgen anruft: «Der Transporter hat die Strecke schneller hinter sich gebracht, als wir erwartet hatten. Er wird bereits um etwa neun Uhr die Hauptkreuzung in Eschenbach passieren.» Also Kamera und Notizblock geschnappt, rein ins Auto und ab nach Eschenbach. Es ist kein gewöhnlicher Transport, der sich über die A1 und den Zürcher Westring auf die A53 zubewegte.

Morgens um 6 Uhr war das 40 Tonnen schwere Gefährt im bernischen Burgdorf losgefahren. In Wagen verliess der Transporter die A53 und fuhr via Eschenbach nach Ermenswil zu seinem Zielort: der Holzbau Oberholzer GmbH im Diemberg.

Passanten zücken Handys

Die Dorfkreuzung Eschenbach meisterte das Ungetüm souverän, begleitet von Lotsenfahrzeugen erreichte die Fracht gegen 9.30 Uhr dann die Dorfkreuzung Ermenswil. Passanten zückten ihre Handys, filmten, fotografierten und staunten über den aussergewöhnlichen Transport. Auf der Strecke mussten immer wieder Hindernisse abgeräumt werden. Teilweise bedeutet der Transport Millimeterarbeit: Kreuzungen, enge Kurven oder Strassenlampen und -schilder wurden zu Herausforderungen.

So musste etwa auf einer Verkehrsinsel in Ermenswil ein «Bienenpfosten» abmontiert werden. So konnte der rund 40 Meter lange Transporter die Insel einfach «überfahren». Dann begab er sich auf die letzte Strecke via Lütschbachstrasse hoch zum Diemberg.

50 Jahre Traditionsfirma

Bei der Holzbau Oberholzer GmbH warten bereits einige der 35 Angestellten, welche der Betrieb zählt. Marcel Oberholzer steht mit seiner Fotokamera dort. Er hat die Holzbaufirma 2007 zusammen mit seinem Bruder Roland Oberholzer vom Vater Gottlieb übernommen. Dieser gründete das Unternehmen vor knapp 50 Jahren, am 1. Mai 1970. «Die Firma ist über die Jahre langsam, aber kontinuierlich gewachsen», sagt Marcel Oberholzer. «Jetzt benötigen wir mehr Platz für Lager, Logistik und die Produktion.»

«Es wird ein Portalroboter mit Produktionstischen eines Schweizer Maschinenbauers installiert.»

Marcel Oberholzer, Geschäftsinhaber

Dafür wird eine neue Halle gebaut. Die alte stammt aus dem Jahr 1970 und hatte die Masse 25 mal 30 Meter. 1999 wurde sie um zehn Meter erweitert. Doch bald platzte sie wieder aus allen Nähten. Man entschloss sich, eine neue Werkhalle zu bauen. Diese wird auf dem Firmengelände neben den bestehenden Gebäuden gebaut, welche erhalten bleiben. Betriebsentwicklung und Modernisierung der Produktion des Holzsystembaus führten dazu.

«Es wird ein Portalroboter mit Produktionstischen eines Schweizer Maschinenbauers installiert», erläutert Marcel Oberholzer. Zudem würden für die konventionelle Zimmerei mehr Lagerfläche und Magazine entstehen. Kurzum: mehr Platz für den ganzen Betrieb. Die Masse des Erweiterungsbaus betragen 38 mal 48 Meter. 

200 Bäume von der eigenen Alp

Klar, dass die Firma Oberholzer dafür Holz verwendet, vieles davon stammt aus den eigenen Wäldern im Appenzellischen. Dort besitzt die Familie eine Alp. «Es war für uns klar, dass wir Holz aus der Schweiz verwenden würden. Nachhaltigkeit ist kein leeres Wort für die Firma», so Marcel Oberholzer.

Während Wand-, Treppenhaus und Dachelemente in Eschenbach gefertigt wurden, musste für die Dachträger – acht an der Zahl – auf eine Spezialfirma zurückgegriffen werden. Holzleimbau ist ein Spezialgebiet im Holzbau. Es gibt nur wenige Hersteller, die Träger in dieser Länge an einem Stück herstellen können. Dafür wurden 515 Kubikmeter Rundholz – das sind etwa 200 Bäume – in Lamellen geschnitten und zu den Dachträgern verleimt.

Einer ist 38 Meter lang und 6,5 Tonnen schwer. Die Transporte erfolgten in drei Fahrten. Die erste war am Montag, gestern folgten nochmals zwei. Nun werden die Dachträger mit einem Spezialkran hochgehievt und auf einer Höhe von 14 Metern millimetergenau eingepasst. Gemäss Marcel Oberholzer soll das Dach bis Ende nächster Woche montiert und dicht sein. Nächstes Jahr soll die Halle mit einem kleinen Fest für Angestellte, Kunden und Gäste sowie einem Tag der offenen Tür für die Öffentlichkeit eingeweiht werden. (Urs Schnider)

Fehler gefunden?