Grosse Kritik an neuer Verkehrsführung
Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem 4. November läuft im Pfäffiker Zentrum der Versuchsbetrieb Einbahnring
- Während das System für den motorisierten Verkehr funktioniert, äussern zahlreiche Facebook-User Sicherheitsbedenken
- Laut Gemeinderat mussten einige der kritisierten Punkte eben gerade aus Sicherheitsgründen umgesetzt werden
«Die Verkehrsführung ist das Hinterletzte», «mühsam», «absolute Katastrophe» oder «saugföhrlich» – der Versuchsbetrieb des Einbahnrings im Pfäffiker Zentrum stösst bereits nach wenigen Tagen auf grosses Missfallen in den Sozialen Netzwerken. Die negativen Kommentare häufen sich, von «Zumutung» und «Steuergeldverschwendung» ist die Rede, Vorwürfe wie «si händs gschafft, das ganze no schlimmer z mache» stehen im Raum.
Darum hat der Gemeinderat über seine Social-Media-Kanäle Stellung genommen. Bauvorstand Lukas Steudler (FDP) zieht in einem Videobeitrag ein erstes Zwischenfazit zum Versuchsbetrieb. «Der Verkehr ist nicht zusammengebrochen, grundsätzlich funktioniert das Konzept. Das ist jedoch keine Wertung, ob es gut ist oder nicht.» Dieses Urteil überlasse man der Bevölkerung, die dazu aufgerufen ist, an der Online-Umfrage zum Thema auf der Gemeindewebsite teilzunehmen.
Knapp 900 Rückmeldungen
Dass das Einbahnregime innerhalb von so kurzer Zeit so zahlreiche Rückmeldungen ausgelöst hat, überrascht Steudler nicht, wie er auf Nachfrage angibt. «Die neue Verkehrsführung ist ein Eingriff und eine Veränderung, da haben einige Bevölkerungsgruppen sowieso keine Freude.»
Ob sich der negative Tenor aus der digitalen Welt auch in den Fragebögen widerspiegelt, die bisher eingereicht wurden, will er weder bestätigen noch dementieren. «Bisher sind knapp 900 Rückmeldungen eingegangen, was uns natürlich sehr freut. Über den Inhalt werden wir erst nach Ablauf der Testphase informieren.»
«Wie das Wort Versuchsbetrieb schon aussagt, ist nicht alles perfekt.»
Lukas Steudler (FDP), Bauvorstand
Dass der Gemeinderat trotzdem bereits nach einer Woche öffentlich ein erstes Zwischenfazit gezogen hat, liege an der gezielten Kritik an der Situation für den Langsamverkehr. «Rein von der Verkehrsführung her könnte man tatsächlich meinen, wir hätten Velofahrer und Fussgänger vergessen», gibt er zu und schiebt gleich nach, dass dem keineswegs so sei. «Dass etwa der Fussgängerstreifen zwischen Post und Raiffeisenbank für den Testlauf aufgehoben wurde, ist eine Frage der Sicherheit.»
Derzeit wird die Bahnhofstrasse auf dieser Höhe zweispurig befahren. «Hätte man den Fussgängerstreifen erhalten wollen, wäre eine Mittelinsel zum sicheren Überqueren der Fahrbahnen erforderlich», erklärt der Bauvorstand. «Dies ist in einem Versuchsbetrieb nicht möglich. Wie das Wort schon aussagt, ist nicht alles perfekt und man kann noch nicht auf alle Bedürfnisse eingehen», betont Steudler. Auch dass der Veloverkehr nicht im Gegenverkehr geführt wird, falle in diese Kategorie.
Grundsätzlich hält der Gemeinderat fest, dass die Umleitung ihren Zweck bisher erfüllt und der Verkehr fliesst. Auch als in der ersten Woche des Versuchsbetriebs der Herbstmarkt über die Bühne ging, sei es zu keinen grösseren Verkehrseinschränkungen gekommen. «Oder zumindest war es nicht schlimmer als in anderen Jahren», so Lukas Steudler.
Bushaltestelle wird vermisst
Weitere Kritikpunkte, wie etwa die Aufhebung der Bushaltestelle Frohwies oder die Zunahme von Schwerverkehr in engen Kurven, kommentiert er wiefolgt: Die Fahrbahnen seien für Lastwagen ausgelegt und an manchen Orten sei der Platz sogar grosszügiger als auf der bisherigen Durchgangsstrasse. «Zudem muss man sich fragen, wie attraktiv eine Strasse für den Schwerverkehr überhaupt sein sollte.»
Und bezüglich Bushaltestelle Frohwies in Richtung Bahnhof: « Weil die Turmstrasse zurzeit nur in einer Richtung befahren werden kann , muss die Bushaltestelle Frohwies in Richtung Bahnhof aufgehoben werden. » Ein Ersatz auf der Hochstrasse sei zwar geprüft worden, habe aber für den Pilotversuch aus Sicherheitsgründen nicht eingeführt werden können.
Steudler verweist jedoch auf die Verlegung der Bushaltestelle am Bahnhof auf die südliche Seite der Gleise. « Dies hat den grossen Vorteil, dass die Buslinie 830 nicht mehr über den Bahnübergang führt und somit die Fahrplanstabilität verbessert wird . » Gleichzeitig könne bei diesem Versuch getestet werden, wie eine Aufteilung des Bushofs auf beide Bahnhofsseiten ankommt.
«Eine solche Chance packen wir nicht jeden Tag.»
Lukas Steudler (FDP), Bauvorstand
Die Testphase dauert noch bis am 14. Dezember. Derweil behalte der Gemeinderat die Kommentare in den Sozialen Netzwerken stets im Auge. Dort ist zwischen den negativen Rückmeldungen auch Lob und Zuspruch zu finden. «Finde den Versuch super, vom Zuwarten wird man nicht gescheiter» oder «der Versuch hat Potenzial» heisst es etwa auf der Facebookseite der Gemeinde Pfäffikon.
Zur Auswertung wird alleine die Umfrage auf der Gemeindewebsite beigezogen. Den Kritikern könne man so oder so entgegenhalten: «Wir haben versucht, was von Bevölkerung und Gewerbe immer wieder gefordert wurde», sagt Steudler. «Eine solche Chance packen wir schliesslich auch nicht jeden Tag.»
