Sie sind krumm, rostig, dreckig, lang, brüchig, bunt. Man kann sie auf den Kopf hauen, mit den Zähnen kauen, schneiden, feilen, versenken, bemalen. Man findet sie in Wänden, Brettern, an Zehen, im Studio. Sie sind aus Stahl, Holz, Eisen, Horn. Sicher haben Sie es erraten – Nägel sind unsere heutigen Objekte. Sie sind allgegenwärtig, deshalb brennt mir das Thema auf den Nägeln.
Der Ausdruck stammt wahrscheinlich aus der Welt der Klöster, ehe es elektrisches Licht gab. Die Mönche befestigten eine kleine Kerze auf einem Daumennagel, um des Nachts die Gebete oder die heilige Schrift zu entziffern, lesen und beten zu können. Je nachdem wie gross das angestrebte Pensum war oder wie gut der Mönch lesen konnte, dauerte es etwas länger, die kleine Lichtquelle brannte herunter und es «brannte» auf den Nägeln.
Feuer und Nägel sind ein Thema. Denn früher wurden Nägel in der Esse im Feuer geschmiedet, waren also unmittelbar der Hitze ausgesetzt. Ich denke natürlich an die eisernen Rossnägel, die den Tieren zwecks Befestigung des Hufeisens ins hornige Huf getrieben werden. Behufen von Pferden bildet quasi die ultimative Vereinigung der beiden Nagelformen. Ob benagelte Pferdefüsse damit – praktisch wie Winterreifen am Auto – dem Betriebskomfort dienen oder körperliche Schmuckstücke sind, sei dahingestellt. Schliesslich erfolgt die Bearbeitung bei einem Schmied und nicht im Nailstudio, wo es um Schönheit der Nägel geht. Dort werden sie mit diversen Aufklebern aufgepeppt.
Das Bemalen der Nägel kann auch einem rein politischen Zweck dienen: In Indien erkennt man anhand der Farbe der Nägel, wer schon gewählt hat. Man hat allerdings keinen Einfluss auf Farbe oder Form. Obwohl die Form und Grösse eine grosse Rolle als Erkennungszeichen spielen kann: der lange kleine Fingernagel zeugte im alten China davon, dass der Besitzer reich war, es also nicht nötig hatte, einer Arbeit nachzugehen. Wohingegen kurze Nägel der linken und lange der rechten Hand einen Gitarristen verraten.
Interessant finde ich die These des St. Galler Künstlers Jan Kaeser, dass in Fingernägeln ein Stück Seele stecke. Ob das für Nägel aus Stahl auch zutrifft, wage ich zu bezweifeln. Wie auch immer, Nagel ist nicht gleich Nagel.

