«Jetzt wird euch, dem Volk, die Macht zurückgegeben.» Mit diesem Zitat aus Donald Trumps Antrittsrede eröffnete Moderator Erwin Schärer den Abend, an dem die Worte «Volk» und «Trump» noch mehrmals zu hören sein sollten. Beim Anlass im grossen Mönchhofsaal ging es um die Frage «Populismus: Simple Angstmache – oder reale Gefahr für die Demokratie?». Als Referent hatte die organisierende Gruppe «Zeitfragen» Martin Wettstein eingeladen. Wettstein ist Oberassistent am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich.
Gleich zu Beginn lieferte Wettstein eine Begriffserklärung: «Das Ziel von Populismus ist immer, dem Volk die rechtmässige Macht zurückzugeben, um die es die Elite betrogen hat.» Sowohl Links- wie auch Rechtspopulisten hätten eins gemeinsam: Sie würden die Gesellschaft in « das tugendhafte Volk » und « die korrupte Elite » einteilen.
Arbeiter und Schwingerkönige
«Für Linkspopulisten besteht das Volk aus Arbeitern, während die Elite die Reichen sind. Deswegen fordern sie mehr sozialen Ausgleich und Regulation», sagte Wettstein. Ein bekanntes Beispiel hierfür sei die Bewegung «Occupy Wall Street». Beim Rechtspopulismus stehe « das Volk » für das einheimische Volk. «Also alle, die die letzten drei Schwingerkönige auswendig kennen», sagte Wettstein, wofür er einige Lacher erntete. Als Elite würden in diesem Spektrum etwa supranationale Organisationen gesehen. Rechte Populisten forderten folglich mehr Selbstbestimmung und eine Beschränkung der Migration.
Grundsätzlich sei Populismus nicht problematisch, sagte Wettstein. «Denn in einer Demokratie muss die Regierung einen Spagat zwischen Regierungsverantwortung und Bürgerbeteiligung machen.» Populismus könne helfen, dem Volk mehr Mitspracherecht einzuräumen. «Deswegen müssen beide Pole gleich stark sein.»

