Im Gegenuhrzeigersinn durch Pfäffikon
Das Wichtigste in Kürze
- Im Pfäffiker Zentrum wird während sechs Wochen ein Einbahnregime als Testbetrieb eingerichtet
- Damit soll der Verkehrsüberlastung entgegengewirkt werden
- Die Idee stammt vom Gewerbeverein
Rund 13’000 Fahrzeuge durchqueren täglich die engen Strassen im Zentrum von Pfäffikon. Gepaart mit den Bahnschranken verlangt der Berufs- und Feierabendverkehr von den Fahrzeuglenkern im «Stop and Go» viel Geduld – und kostet auch den Bussen wertvolle Minuten. «Schon seit Längerem denken wir deshalb über Möglichkeiten nach, die Verkehrssituation im Zentrum nachhaltig zu verbessern», sagt Bauvorstand Lukas Steudler (FDP).
Bewilligung innert drei Monaten
Der jüngste Lösungsvorschlag kommt dabei aus den Reihen des Gewerbevereins: Ein Einbahnring auf der Kempttal- und Hochstrasse sowie der Bahnhof-, Turm- und Tunnelstrasse (siehe Grafik). «Speziell der Strassenabschnitt Kempttal-/Hochstrasse ist teilweise sehr eng und damit für Fussgänger und Radfahrer gefährlich», sagt Werner Hotz, Präsident des Gewerbevereins. Ein Einbahnsystem würde den Strassenraum sicherer machen und so die Aufenthaltsqualität verbessern.» Ausserdem könnten weitere Parkplätze geschaffen werden, was die Attraktivität des Zentrums zusätzlich erhöhe.
Üblicherweise gehe es rund zwei Jahre, bis nur schon der Versuchsbetrieb von allen involvierten Ämtern inklusive Kantonspolizei bewilligt ist, sagt Lukas Steudler. In Pfäffikon ging es jedoch viel schneller. «Innerhalb von drei Monaten hatten wir die nötigen Bewilligungen.»
Denn der Testbetrieb vom 3. November bis zum 14. Dezember kann mit verhältnismässig geringen Aufwand eingerichtet werden, da der Verkehr bereits aktuell über die Bahnhofstrasse umgeleitet wird. Seit Mitte August ist die zentrale Kreuzung in Pfäffikon für die dritte Etappe des Gestaltungsprojektes Seestrasse gesperrt (wir berichteten).
Sperrung im Pfäffiker Zentrum
13.08.2019

Umleitungen bis Ende Oktober
Am Montag, 19. Beitrag in Merkliste speichern Der Testlauf knüpft zeitlich direkt an die Umleitung an. «Während diesen sechs Wochen wollen wir in der Praxis untersuchen, ob ein Einbahnverkehr im Zentrum die erhoffte Entlastung der Haupt- und Nebenachsen bringt und welchen Einfluss eine solche Verkehrsführung auf sämtliche Verkehrsteilnehmenden hat», so Steudler weiter.
Dass die Bahnhofstrasse dann nur noch einspurig befahrbar ist, hat unter anderem Auswirkungen auf die Buslinie 830 von und nach Uster. Diese hält während der Versuch s phase nicht mehr auf der nördlichen Bahnhofseite am Bushof. D ie Haltestelle wird provisorisch auf die Südseite des Bahnhofs , auf die Bahnhofstrasse verschoben. Gleichzeitig kann die heutige Bushaltestelle Frohwies in Richtung Bahnhof nicht mehr bedient werden, da der Bus aufgrund der Routenanpassung nicht mehr an dieser vorbeikommt .
Umfrage auf der Gemeindewebsite
Das Einbahnsystem bietet ausserdem Raum für 15 zusätzliche Parkplätze im Zentrum von Pfäffikon. Eine Beeinträchtigung der Verkehrsabläufe bei geschlossener Bahnschranke werde sich allerdings nach wie vor nicht vermeiden lassen. Die Lichtsignalanlage vor dem Gemeindehaus wird während dem Pilotversuch ausser Betrieb genommen. Die Sicherheit für Fussgänger könne aber sichergestellt werden, indem die Fussgängerübergänge durch provisorische Schutzmassnahmen zusätzlich gesichert werden. «Der Pilotversuch wird nun zeigen, ob Potenzial in dieser Variante steckt», so Steudler.
«Bei vielen ist es wohl nur ein temporäres Dulden.»
Lukas Steudler (FDP), Pfäffiker Bauvorstand
Während des Versuchsbetriebes ist auf der Website der Gemeinde eine Umfrage aufgeschaltet, wo die Meinungen und Erfahrungen der Bevölkerung gesammelt werden. «Die Anwohnerinnen und Anwohner im Bereich der Umleitung sind bereits jetzt einem grösseren Verkehrsaufkommen ausgesetzt», sagt Steudler. Zwar sei es bei der aktuellen Umfahrung zu keinen Problemen gekommen. «Aber daraus zu schliessen, dass alle Betroffenen vom Verkehrsregime begeistert sind, wäre falsch. Bei vielen ist es wohl nur ein temporäres Dulden. Mit der Umfrage haben alle die Möglichkeit, ihre Meinung zu äussern. »
Mit den Auswertungen aus der Umfrage plus den Erfahrungen aus dem Versuchsbetrieb sollen dann die weiteren Entscheidungen gefällt werden. «Aus finanzieller Sicht läge eine definitive Einführung eines Einbahnregimes in der Befugnis des Gemeinderates – natürlich immer in Absprache mit den kantonalen Stellen», sagt der Bauvorstand. Doch in diesem Fall wünsche man sich einen partizipativen Prozess. Lukas Steudler: «Bevor ein solcher Einbahnring eingeführt würde, wollen wir sicher gehen, dass er in der Bevölkerung Unterstützung findet.»
Standortattraktivität soll zunehmen
Beim Gewerbeverein ist die Freude bereits gross. «Ein Versuchsbetrieb ist immer besser als lange Diskussionen, ob etwas klappen wird oder nicht», sagt Präsident Werner Hotz. Nachdem der Gemeinderat die Ergebnisse einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz veröffentlicht hatte, die sich der Situation des Detailhandels angenommen hatte, habe der Gewerbeverein den Gemeinderat überzeugen können, einen Versuch zu starten. «Denn in der Studie wurde die Verkehrssituation in Pfäffikon als grosser Kritikpunkt bewertet, der sich negativ auf das Gewerbe auswirkt. Der Zeitpunkt zum Handeln war gekommen», fasst Hotz zusammen.
Zwar könne er nicht garantieren, dass aufgrund des Einbahnregimes tatsächlich auch mehr Geld in die Kassen des lokalen Gewerbes fliesen wird. «Aber im Standortwettbewerb werden wir durch Verkehrsberuhigungen und gleichzeitig zusätzlichen Parkplätzen definitiv attraktiver.»
