Ist es für Sie als Autorin spannender, eine Geschichte in 1000 Zeichen zu erzählen, als einen Roman mit mehreren Hundert Seiten zu schreiben?
Yvonne von Allmen: Generell habe ich als Autorin das Problem, eine Geschichte zu finalisieren. Auch wenn man das nicht gerne zugibt. Flash Fiction ist eine gute Übung dafür, einen Plot zustande zu bringen und sich dabei nicht zu verzetteln. Auch auf den Stil muss man achten, damit man am Schluss ein gutes Gesamtpaket hat. Als Autor hat man natürlich mehr Abwechslung, da die 1000-Wort-Geschichte schneller fertig ist als der Roman.
Eine Geschichte in 1000 Worten
Der Begriff «Flash Fiction» stammt aus dem Amerikanischen und bezeichnet Kurzgeschichten jeden Genres und Themas mit 250 bis 1000 Wörtern. Obwohl in ihrem Umfang sehr beschränkt, haben sie den Anspruch, richtige Geschichten zu sein. Sie beinhalten Protagonist, Antagonist, Konflikt und Auflösung, Charakterentwicklung, Spannung, Dialoge und Setting.
Was macht es denn so schwierig, eine Geschichte fertig zu schreiben?
Bei mir ist es mein innerer Kritiker, der findet, dass die Grundidee vielleicht gar nicht so gut ist. Ich stehe mir in dieser Beziehung selber im Weg. Deswegen habe ich jetzt einen Episodenroman gestartet, bei dem ich wöchentlich ein Kapitel auf meiner Website veröffentliche. Das gibt mir den nötigen Druck, etwas liefern zu müssen. Es ist sehr hilfreich, sich diese Art Deadlines zu setzen.

