Pfäffiker Freikirche plant Millionenprojekt
Das Wichtigste in Kürze
- Die Alterssiedlung Neuhof ist sanierungsbedürftig
- Abklärungen haben ergeben, dass ein Neubau die sinnvollere Lösung ist
- Im geplanten Neubau wird auf Flexibilität gesetzt
Der Schein trügt. Obwohl die Pfäffiker Alterssiedlung Neuhof von Aussen einen gepflegten und gut gewarteten Eindruck macht, haben die Gebäude massiven Sanierungsbedarf. Zudem sind die 33 Wohnungen mittlerweile alles andere als altersgerecht: Enge Verhältnisse in Räumen und Korridoren, sowie Türschwellen behindern die Nutzung von Rollatoren und Rollstühlen oder verunmöglichen sie sogar. Alle Nasszellen verfügen nur über Badewannen oder kniehohe Duschen, schreiben die Verantwortlichen in einer Mitteilung. Immer dringlicher werde auch die Erneuerung der Küchen, Sanitäranlagen und Leitungen und eine thermische Dämmung der Gebäudehülle wäre Gebot der Zeit.
Anforderungen verändern sich
Zwar wurden die Wohnungen in den 70er Jahren explizit als Alterswohnungen gebaut. «Aber damals bedeutete dies, dass man nach der Pension in eine solche Wohnung zog», sagt Martin Weilenmann, Präsident des Vereins Kirche Neuhof, auf Anfrage. Der Verein der Evangelischen Täufergemeinde ist Inhaber des Wohn- und Alterszentrums inklusive Alterswohnungen. «Sobald man gebrechlicher wurde, folgte der Umzug ins Heim – ohne die Zwischenstation Spitex, die es so noch gar nicht gab.» Heute liege das durchschnittliche Alter beim Einzug in Alterswohnungen bei etwa 85 Jahren, bei Pflegeheimen sogar bei 88 Jahren. «Die Anforderungen an Alterswohnungen haben sich damit verändert.»
Die Vereine «Kirche Neuhof» und «Wohn- und Alterszentrum Neuhof» haben sich aber gegen eine Sanierung und für einen Neubau entschieden. «Vor drei Jahren haben wir Konzeptstudien für das ganze Gelände in Auftrag gegeben», sagt Weilenmann. «Die Abklärungen haben gezeigt, dass ein Umbau oder eine Totalsanierung der bestehenden Gebäude zu keinem befriedigenden Projekt führen würde und teurer käme als deren Abbruch und Ersatz durch Neubauten.»
Neubau in Etappen
Das ganze Projekt soll «zwischen 15 und 20 Millionen Franken» kosten. Vorgesehen sind der Ersatz der Alterssiedlung durch zwei Neubauten. Dazu kommt der Umbau und die Erweiterung des bestehenden Alters- und Pflegeheims, wobei alle Baukörper durch Korridore im Sockelgeschoss verbunden werden sollen. Auf der Ebene des Gartengeschosses ist vor dem Alters- und Pflegeheim ein neuer Speisesaal, eine grössere Küche und eine neue Lingerie eingeplant. Unter dem Vorplatz der Neubauten soll eine Tiefgarage entstehen.
«Wir suchen nach Lösungen, sodass möglichst wenige Verträge aufgelöst werden müssen.»
Martin Weilenmann, Präsident des Vereins Kirche Neuhof
Dabei sollen die beiden bestehenden Gebäude mit Alterswohnungen etappenweise ersetzt werden. «Bereits ab dem Zeitpunkt des Entscheides, dass wir neu bauen werden, haben wir Abgänge der Mieter nicht mehr oder mit befristeten Verträgen ersetzt», sagt Martin Weilenmann. Dabei habe man auch befristete Verträge mit jüngeren Personen abgeschlossen – ein kleiner Blick in die Zukunft des Projektes.
Bauzeit ohne Personalverlust
Denn der östliche Neubau soll als Mehrgenerationenhaus weitergeführt werden, das einen Mix von 15 Wohnungen mit 2½ bis 4½ Zimmer enthält. Im zweiten Neubau werden 18 Pflegezimmer erstellt sowie acht 2½- bis 4½-Wohnungen für Mieter, die einen Bedarf an hauswirtschaftlichen oder pflegerischen Spitexleistungen haben.
Indem die beiden Gebäude in separaten Bauetappen geplant sind, sollten nach Möglichkeit alle bestehenden Mieter eine Wohnung auf dem Gelände zur Verfügung haben. «Wir suchen nach Lösungen, sodass möglichst wenige Verträge aufgelöst werden müssen», hält Weilenmann fest. Mit der Etappierung werde auch angestrebt, das Pflegepersonal während der Bauzeit halten zu können.
Flexibel bleiben
Geht mit der Baueingabe alles glatt, könnten im Herbst 2020 die Bauarbeiten beginnen. Wann genau das ganze Projekt fertiggestellt sein wird, steht aber noch nicht fest. Eine ungefähre Angabe von drei Jahren Bauzeit steht im Raum.
Ebenfalls noch nicht klar sind die tatsächlichen Bedürfnisse, die dann an das Pfäffiker Alterszentrum gestellt werden. «Die Prognosen ändern sich ständig», sagt Weilenmann, «manchmal heisst es, es brauche mehr Pflegeplätze, dann ist wieder von mehr Alterswohnungen die Rede.»
«Wir sind eine Kirche, darum spielt hier auch ein diakonisches Verständnis mit.»
Martin Weilenmann, Präsident des Vereins Kirche Neuhof
Mit den Neubauten wolle man darum möglichst flexibel bleiben – ein Grund mehr für das Mehrgenerationenhaus. «Wir sind eine Kirche, darum spielt hier auch ein diakonisches Verständnis mit», sagt der Vereinspräsident. So denke man auch an andere mögliche Nutzungen, sollte das Pflegebedürfnis von älteren Personen in Zukunft abnehmen. «Wir schaffen die Voraussetzungen, dass man die Räume polyvalent für verschiedene Bedürfnisse einsetzen kann.»
