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Afghanische Aromen überschlagen sich auf der Zunge

Einmal pro Monat verwandelt sich die Pfäffiker Pizzeria Rössli in ein Afghanisches Restaurant. Ein Konzept, das auf breites Interesse stösst und jedes mal ausgebucht ist.

Karima und Habib Jan servieren jeweils am letzten Samstag im Monat Afghanische Kost statt Pizza und Pasta.

Nathalie Guinand

Afghanische Aromen überschlagen sich auf der Zunge

Die Gaststube des Restaurants Rössli ist bis auf den letzten Platz besetzt. Zusätzlich zu den Stühlen aus Holz wurde Gartenmobiliar dazugestellt, um allen Platz zu bieten. Der Geräuschpegel ist hoch und Gastgeberin Karima Jan schreitet so zügig zwischen den Tischen hindurch, dass die Tischsets flattern. Auch wenn die ganze Szenerie etwas unruhig wirkt, ist das Ambiente doch authentisch. Man fühlt sich inmitten einer afghanischen Grossfamilie, vom betagten Senior bis zum Baby sind an den Tischen alle Generationen vertreten. Dazu kommt der würzige Duft, den Karima Jan jedes Mal mit sich bringt, wenn sie aus der Küche saust. 

Volles Haus schon zu Beginn

Es war schon bei der Eröffnung des Restaurants im Januar der Traum von ihr und ihrem Mann Habib Jan, neben Pizza und Pasta auch regelmässig Afghanisches Essen anzubieten. Ende Februar war es dann soweit. «Bereits beim ersten Afghanischen Abend war das Restaurant voll», sagt Karima Jan, die regelmässig im Café International als Helferin dabei ist. 

Das Dreigang-Menü ist jeweils fix und kostet maximal 45 Franken. Was einem genau erwartet, erfährt man jedoch erst, wenn man am Tisch sitzt – oder bereits bei der Reservation genauer nachfragt. An diesem Abend stehen «Aasch Kaschida», «Sabzi Pelau» und «Mahitscha Pelau» auf dem Programm. Hinter dem ersten Begriff versteckt sich die Vorspeise: eine würzige, dickflüssige Suppe mit Koriander, Spinat, Lauch, Zwiebeln, Linsen, Erbsen, Jogurt und Pfefferminz.

Die Aromen überschlagen sich auf der Zunge. Die Bohnen und Linsen sind herzhaft, das Jogurt hinterlässt eine säuerlich-frische Note inmitten all den Gewürzen und Kräutern. Nicht auf dem Menü aufgeführt sind die Nudeln, die kleingeschnitten ebenfalls zwischen Spinat und Lauch im Teller zu finden sind und als einzige Komponenten irgendwie aus dem Raster fallen. Ein Hauch Europa inmitten des orientalischen Gerichtes. 

Der Duft lockt zum Fleisch

Kaum sind die Teller leer, folgt der Hauptgang. Auch wenn die Vegi-Variante «Sabzi Pelau», bestehend aus Okra, Zwiebeln, Blumenkohl, Tomaten und Reis, verlockend klingt – der Fleischduft, der schon den ganzen Abend durch die Luft weht, lässt in diesem Moment keine andere Wahl als «Mahitscha Pelau». Das Gericht, bestehend aus Lammhaxen, Karotten, Sultaninen, Zwiebeln, Kurkuma, Koriander und Reis, wird zusätzlich mit einem Fladenbrot serviert. 

Nach der würzigen Vorspeise mit den verschiedenen Konsistenzen, wirkt der Hauptgang fast etwas brav – was jedoch nichts Negatives ist. Die Aromen ergänzen sich, Kurkuma mit Rüebli, die Sultaninen mit dem Lammfleisch, das zart vom Knochen fällt, wenn man es nur anschaut. Dem luftigen Fladenbrot sieht man an, dass es hausgemacht ist. Und auch wenn die Portion im ersten Moment nicht allzu üppig wirkt, ist sie genau die perfekte Menge, um die Bäuche wohlig zu füllen. 

Koriander-Zwiebel-Feinde aufgepasst

Die Kombination der verschiedenen Zutaten hinterlassen ein fast winterlich-weihnachtliches Gefühl, was wohl primär den Sultaninen zuzuschreiben ist. Gleichzeitig dürften Personen, die im Bezug auf Zwiebeln oder Koriander heikel sind, an diesem Abend etwas Probleme haben. Wer auf herzhafte Küche mit kräftigen Aromen schwört, ist hier aber genau richtig. 

Zum Abschluss folgt das Dessert, bestehend aus Trauben und Melonen. Obwohl es sich dabei um ein sehr einfaches Gericht handelt, ist dieses Mal die Wartezeit erstaunlich lange. Grund dafür sind ohne Frage die vielen Teller, die Karima Jan gemeinsam mit einer weiteren Servicekraft ununterbrochen aus der Küche trägt, wo ihr Mann am Herd steht. 

Ihr Blick ist fokussiert und konzentriert. Und jedes Mal erhellt sich ihr Gesicht aufs Neue, wenn sie vor ihren Gästen steht und die Gerichte ihrer Heimat präsentieren kann. «Ich kenne fast alle, die zu uns kommen», sagt sie. «Ich bin sehr zufrieden.» Sie mache im Café International auch immer viel Werbung. Scheinbar so viel, dass man Glück haben muss, an diesen speziellen Abenden überhaupt noch einen Platz zu ergattern. 

Der Afghanische Abend findet im Restaurant Rössli immer am letzten Samstag im Monat statt. Weitere Informationen online unter www.pizzeriaroessli.ch

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