Das «Fadezeinli» ist wie ein Bijoux aus früheren Zeiten. Wer Handarbeit liebt, findet hier nicht nur hochwertige Wolle, Häkelgarn, Reissverschlüsse, Knöpfe, sondern auch eine herzliche, kundige Beratung. Frau Schär, eine Stammkundin, die gerade ihre Bestellung abholt, schätzt das sehr: «Frau Eng ist immer sehr freundlich, hilfsbereit und gibt einem wertvolle Tipps.» Romy Eng selber pflegt zu sagen: «Mercerie ist eigentlich keine Ware, sondern eine Dienstleistung.»
Arbeit hält gesund
Seit 24 Jahren steht sie von Montag bis Samstag als einzige Verkäuferin und Beraterin im Laden – stets in klassischen, eleganten Schuhen. «Diese Vorliebe habe ich wohl von meinem Vater, der in der Schuhfabrik Bally gearbeitet hat», gesteht sie schmunzelnd. Die Arbeit im «Fadezeinli» gebe ihr eine sinnvolle Tagesstruktur, besonders seit ihr Mann vor 18 Jahren gestorben ist. «Ich stehe morgens um halb fünf auf, frühstücke gemütlich, fahre nach Bauma und lese im Laden die Zeitung, bis ich um halb neun öffne.» Darauf angesprochen, was ihr Gesundheits-Geheimrezept sei, antwortet sie lachend: «Ich habe einfach immer gearbeitet!»
Romy Eng ist während der Kriegsjahre als Älteste von drei Geschwistern aufwachsen. 1941 begann ihre Schulzeit. «Der kriegstechnische Dienst hat jeweils grosse Kisten voll Wolle bei uns an der Klasse abgeliefert und wir mussten daraus Socken stricken.» Dass sie Handarbeit liebt, verdanke sie ihrer Grossmutter: «Es hat sich immer gut angefühlt, mit ihr zusammen zu stricken. Sie hat mir viel gezeigt, was man heute in der Schule so nicht mehr lernt.» Nützlich war ihr Talent ebenfalls: «Wenn man damals etwas haben wollte, musste man es selber machen», erinnert sie sich.

