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«Das Alterskonzept ist ein Gerüst, das nun gefüllt werden will»

Sozialvorstand Peter Wermelinger (SVP) war federführend in der Ausarbeitung des Alterskonzeptes «Hittnau 60plus». Im Interview spricht er über die Herausforderungen von Informationsverbreitung und Überalterung.

Sozialvorstand Peter Wermelinger will eine neue Drehscheibe für Altersfragen schaffen.

Seraina Boner

«Das Alterskonzept ist ein Gerüst, das nun gefüllt werden will»

Vor einem Jahr hat der Gemeinderat das Alterskonzept «Hittnau 60plus» verabschiedet. Was war bei der Ausarbeitung die grösste Herausforderung?
Peter Wermelinger: Wir wollten möglichst viele Themen ansprechen, aber uns gleichzeitig nicht ein zu enges Korsett anlegen. Entstanden ist eine Sammlung von Zielen, die wir anstreben. Die höchste Priorität hat die Stellenausschreibung eines Altersbeauftragten. Nachdem diese neu geschaffene 50-Prozent-Stelle besetzt ist, können wir uns der Priorisierung der einzelnen Ziele im Konzept widmen. 

Worum geht es im Alterskonzept in erster Linie? Was ist der wichtigste Aspekt?
Je mehr die Seniorinnen und Senioren wissen, desto besser geht es ihnen. Sie müssen wissen, wo sie sich Hilfe holen können, zum Beispiel wenn es um die Suche eines Altersheimplatzes geht. Wir veranstalten bereits heute drei Mal pro Jahr Informationsveranstaltungen, die mit bis zu 100 Interessierten immer gut besucht sind. Dabei stehen verschiedene Themen im Fokus, von Demenz bis zu Trickdiebstahl. Am nächsten Informations-Brunch am 16. November geht es etwa um Hörgeräte, wobei sowohl ein Arzt als auch ein technischer Spezialist für Fragen zur Verfügung stehen. Solche und weitere Angebote bekannt zu machen, die Leute zu vernetzen, ist unser Hauptziel. 

Junggebliebene Senioren posieren in Hittnau vor der Kamera

08.10.2019

Fotoshooting für Alterskonzept

Für die Bebilderung des neuen Alterskonzeptes «Hittnau 60plus» wurden Seniorinnen und Senioren au Beitrag in Merkliste speichern Seit rund einem halben Jahr ist eine Website aufgeschaltet, wo man bereits einige Informationen findet, unter anderem  Links zur Männer- oder Frauenriege. Was ist da noch alles geplant?
Die Website wird momentan noch von mir betreut. Ich habe mich zwar an diversen Stellen wie Vereinen oder auch Kirchen gemeldet, damit mir diese Organisationen Material zuschicken, das ich dann online stellen kann. Doch ich betreue die Website neben meinem Beruf und der Arbeit als Gemeinderat. Es fehlen noch die Ressourcen, um die Informationen eigenständig zusammenzusuchen. Die Website soll zur Drehscheibe für das Alterskonzept werden.Sobald wir die Stelle des Altersbeauftragten besetzen können – das wird wohl spätestens Anfang 2020 der Fall sein – kann man auch in diesem Bereich mehr Zeit investieren. Alleine mit der Schaffung eines Alterskonzeptes ist noch nicht viel getan. Es ist ein Gerüst, das nun gefüllt werden will. Und gerade in der Altersarbeit braucht es für so eine Aufgabe viel Ausdauer. 

«Eine Website ist ja schön und gut, aber in einem kleinen Dorf wie Hittnau ist es noch viel wichtiger, miteinander zu sprechen und sich zu kennen.»

Peter Wermelinger (SVP), Sozialvorstand Hittnau

In Sachen Vernetzung läuft vieles über das Internet – inwiefern muss hier noch Rücksicht genommen werden auf Personen, die mit moderner Technik eben doch nicht mehr ganz klar kommen?
Rund 90 Prozent der Senioren haben heutzutage einen Internetzugang. Doch wir arbeiten nach wie vor mit Flyern, die wir verteilen und die an verschiedenen Stellen in der Gemeinde aufliegen. Auch wenn diese Prozentzahl in den nächsten fünf bis zehn Jahren weiter steigen wird, – es wird immer die Leute geben, die Papier bevorzugen. Der Vorteil eines Flyers ist zudem, dass man ihn an den Kühlschrank hängen kann, und sich so eher an den Anlass erinnert. Eine Website ist ja schön und gut, aber in einem kleinen Dorf wie Hittnau ist es noch viel wichtiger, miteinander zu sprechen und sich zu kennen. 

Die Bevölkerung wird immer älter. Inwiefern haben Sie diesen Fakt im Konzept berücksichtigt?
Das Dorf sollte nicht überaltern, aber wir steuern direkt darauf zu. Rund ein Viertel der Hittnauer Bevölkerung zählt bereits zur wachsenden Gruppe «60plus». Darum gehört es zu unseren Aufgaben, die älteren Personen ins Dorfleben einzubinden, damit sie sich auch nach der Pension aktiv einbringen können. Der letzte Lebensabschnitt soll verstärkt durch eigenes Handeln und mit eigener Initiative gestaltet werden. Davon profitieren alle. Das ist zwar eine Idealvorstellung, deren Erfolg nicht garantiert ist. Aber wenn wir uns nicht auf den Weg machen, erreichen wir das Ziel sowieso nie. 

Weitere Informationen zum Alterskonzept «Hittnau 60plus» sind online via www.hittnau60plus.ch zu finden. 

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