Eigentlich werden heute auf dem Ustermer Stauberberg die roten Trauben geerntet. Aber die Beeren, die als Beispiele im Eimer der Winzerin Eveline Heusser bereit liegen, sind ziemlich weiss: Eine pulvrige Schicht liegt auf den Häuten der Trauben, sie löst sich auch unter Heussers Griff kaum. Schuld ist eine kleine Fliege, von Auge kaum von einer normalen Fruchtfliege zu unterscheiden: Die Drosophila suzukii, die Kirschessigfliege, ist vor etwa zehn Jahren aus Asien nach Europa eingewandert und macht den Wein- und Obstbauern seither das Leben schwer. Ebenso den Erntehelfern: Die Fliege verursacht Schäden, die weggeschnitten werden müssen, bevor die intakten Trauben in den roten Kübel, anschliessend in den grauen Kisten und irgendwann dann in den Barriquefässern landen.
Und weil die roten Trauben, anders als die weissen Sorten, mitsamt der Haut in die Presse kommen, ist es hier umso wichtiger, dass nur die unbeschädigten Trauben mitkommen. Das erklärt Heusser geduldig jeder neuen Gruppe von Helfern, die um neun Uhr morgens so langsam eintrudeln. Immer und immer wieder nimmt sie die Beispiel-Trauben in ihrem Eimer in die Hand und erklärt. Eine Helferin fasst zusammen: «Aha, also die guten Trauben mitnehmen und die schlechten weg». Dann schnappt sie sich einen eigenen Eimer und Schere und gesellt sich zu den schon instruierten Erntehelfern.
«das traurigste Viech»
«Ruhig grosszügig wegschneiden», sagt währenddessen Heusser da schon zur nächsten Gruppe, «es hat genug Beeri, wir haben denen so gut geschaut.» Geschaut heisst in diesem Fall auch mit dem behandelt, was von Auge eben als weisses Pulver sichtbar ist: Vier Mal hat Heusser Kaolin gespritzt, ein auch im Biolandbau zugelassenes Insektizid. Das funktioniere ziemlich gut. Das könne man daran sehe, dass die Stöcke reich behangen und die meisten Trauben noch intakt seien. Die Kirschessigfliege kann zu Quasi-Totalausfällen führen, wie es auch Heusser 2014 erlebte, als ihr wegen des Insektenbefalls noch 20% einer normalen Ernte blieben.
«Das traurigste Viech das wir haben» sei die Kirschessigfliege, sagt ihr Vater Heiri Heusser, der im farbigen Hemd und blauer Jacke den roten Erntekübel durch die Reihen trägt. Sowieso sei das Winzern schwieriger geworden, findet er. «Einerseits die Fliege, andererseits die wachsende Konkurrenz: meine Tochter hat es sicher härter, als ich es hatte.» Diese sieht es weniger tragisch: «Ich bin optimistisch, man hat noch für alles ein Gegenmittel etwas gefunden.»

