Organisatoren schaffen Startschuss komplett ab
In diesem Jahr wird erstmals eine Gruppe von Läuferinnen und Läufern mit Autismus am Pfäffikerseelauf teilnehmen. Wie entstand diese Idee?
Sacha Stermcnik: Die Initiative kam von der Zürcher Kantonalbank, der Hauptsonsorin des Zürilaufcups, zu dem neben dem Pfäffikerseelauf und dem Greifenseelauf noch elf weitere Läufe gehören. An einer Veranstaltersitzung kam letztes Jahr die Anfrage, wer ein solches Pilotprojekt durchführen wollte.
Warum haben Sie sich gemeldet?
Wegen meiner persönlichen Geschichte habe ich einen starken Bezug zum Thema Autismus. Meine Eltern haben immer wieder Pflegekinder aufgenommen. Zuerst vor allem Schwererziehbare, später dann vor allem Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung. Darum bin ich mit dem Thema vertraut. Mit meiner ersten Frau habe ich selber betroffene Kinder aufgenommen. Somit ist das Thema Autismus für den Lauf zwar etwas Neues, aber für mich doch selbstverständlich.
«W as während des Laufes passiert, liegt nicht in unserer Macht als Organisatoren. »
Sacha Stermcnik, OK-Präsident Pfäffikerseelauf
Inwiefern unterscheidet sich der Lauf für die Läufer mit Autismus von dem für andere Teilnehmer?
Sie rennen zwar die Strecke des Schnupperlaufes, doch der Zeitpunkt des Starts ist verschoben, damit die Gruppe separat laufen kann. Sie haben ihre Startnummern bereits vor einiger Zeit erhalten, die sie mit den T-Shirts – alle tragen dieselben, um sich leichter zu erkennen – bereits einige Male getragen haben, um sich darin wohl zu fühlen. Im Start- und im Ziel stehen ihnen zudem separate Bereiche zur Verfügung, wo sie nicht gestört werden. Dazu gehören auch separate Toiletten oder ein eigener Bereich im Ziel, wo ihnen Getränke ausgegeben werden. Zudem wird es keinen Startschuss geben. Das gilt für alle Rennen und ist bei den Piccolos, der Kinderkategorie, bereits seit längerem üblich.
Im Start- und Zielbereich können Sie als Organisator Einfluss nehmen, damit sich die Läufer mit Autismus wohl fühlen. Doch auf der Strecke sind sie relativ ausgeliefert.
Natürlich, was während des Laufes passiert, liegt nicht in unserer Macht als Organisatoren. Einige der Läufer werden aber gemeinsam mit einer Begleitperson starten, die abschätzen kann, ob eine problematische Situation bevorsteht und dann im besten Fall frühzeitig Einfluss nimmt, damit der Sportler nicht in eine Stresssituation gerät.
Wie schwierig war es, diese Anpassungen für die spezielle Läufergruppe umzusetzen?
Es war eine Herausforderung, doch für alle Aspekte konnten schnell Lösungen gefunden werden. Alle Beteiligten waren offen dazu, Neues auszuprobieren. Und wenn man sich statt auf das Problem auf die Lösung konzentriert, findet man auch immer eine. Zudem war es nach drei Jahren als OK-Präsident für mich auch eine willkommene Abwechslung.
Ist eine Wiederholung bereits absehbar oder will man in den nächsten Jahren Personen mit anderen Handicaps eine Teilnahme ermöglichen?
Es ist alles möglich. Mich würde es natürlich freuen, wenn das Konzept Fuss fassen könnte. Andere Läufe arbeiten bereits mit Organisation wie dem Behintertensportverband Swiss Paralympic zusammen. Das Feedback ist durchwegs positiv. Am Sonntag wird ein Filmteam sogar einen unserer Läufer mit Autismus begleiten, um Aufnahmen für einen Dokumentarfilm zu machen. Das freut uns natürlich sehr. Bleibt abzuwarten, wie viel vom Pfäffikerseelauf dann im Film auch wirklich zu sehen ist.
Der 41. Pfäffikerseelauf findet am Sonntag, 29. September, statt. Start- und Zielgelände ist an der Wetziker Motorenstrasse auf dem Gelände von Mercedes-Benz. Nachmeldungen für die traditionellen Läufe sind am Renntag ab 9 Uhr bis eine Stunde vor dem Start vor Ort möglich. Weitere Informationen unter www.zuerilaufcup.ch/pfaeffiker.
