«Merdre»: Dieser klassische Stückanfang des französischen Autors Alfred Jarry (1873 bis 1907) für seinen «Ubu Roi», ist der optimale Ausruf um seinen Ärger loszuwerden. Nicht «Merde», «Scheisse» – das wäre schlicht zu primitiv – sondern eben «Schreisse». Es ist die bessere Variante als dreinzuschlagen, die Quelle der Unbill umzubringen oder zu demolieren.
Da fuhr ich neulich gemütlich über den Bahnübergang bei Rikon. Und plötzlich – ein Blitz. In Gedanken versunken, hatte ich nicht aufgepasst und den Blechfotografen schlicht vergessen. Dabei steht er schon seit einer Woche dort. Na ja, selber blöd, dachte ich bei mir.
Doch zwei Tage später wieder – Blitz. Und jetzt ärgerte ich mich gewaltig. Auch über mich. Die Tage danach fiel mir auf, dass die Autos in Rikon nur so dahin schleichen. Alle langsamer als die erlaubten 50 Stundenkilometer. Eigentlich logisch, denn wer will schon das Risiko eingehen, sein sauer verdientes Geld für unvorteilhafte Fotografien auszugeben?
Die Folgen von allzu korrektem Fahren wären allerdings schlimm: Staus bilden sich, Hupkonzerte dröhnen, der Lärmpegel wächst ins Unermessliche, Menschen erleiden vor lauter Ärger Herzattacken, die Gesundheitskosten steigen, die Krankenversicherungen werden teurer und so weiter.
Schliesslich müssen Mindestgeschwindigkeiten eingeführt werden. Und die Bussen bei Unterschreitung sind doppelt so hoch wie diejenigen für Raser. Also muss das Lebensziel heissen: «Nie mehr ärgern.» Nicht nur im Strassenverkehr, ganz allgemein. Es gibt Kurse, Anleitungen und Lektüre dafür.

