Die grössten Herausforderungen als Ersthelferin waren für mich immer die psychologischen Aspekte. Doch diese fristen bei der Ausbildung von Laienhelfern oft ein Schattendasein. In jeder Notfallsituation spielt die Psychologie eine grosse Rolle, doch die Helfenden sind darauf oft zu wenig vorbereitet. Das habe ich selbst einmal erfahren.
Wenn ich von meinem Büro aus dem Fenster schaue, sehe ich einen Fussgängersteg, der über die Töss führt. Der Steg besteht aus massiven, breiten Stahlträgern und Holzbohlen, das Geländer ist zirka 1,2 Meter hoch. In den letzten 25 Jahren kam noch niemand auf die Idee, darauf herumzuturnen. Das sollte sich an diesem Vormittag allerdings ändern. An diesem Tag, den ich nicht vergessen werde, stiess ich an meine Grenzen.
Sonderbares Verhalten
Zunächst sah alles harmlos aus. Zwei Mädchen, etwa acht und zehn Jahre alt, standen schon seit einiger Zeit auf dem Steg. Sechs bis sieben Meter darunter verläuft das steinige Bachbett Die beiden Mädchen verhielten sich sonderbar. Das grössere Mädchen begann an den Verstrebungen herumzuklettern. Prompt setzte sie sich auf das Geländer und liess die Beine baumeln.
«Ich wollte nicht die böse Frau sein, die fremde Kinder massregelt.»
Sandra Renggli, Notfallhelferin

