Wir alle werden nicht jünger und das Thema Altersheim ist bereits in meinem Umfeld an gewissen Abenden mit Freunden ein Thema, wenn auch eher zum Spass. An besonders lustigen Abenden, sind wir uns einig, dass wir alle mal ins selbe Heim gehören würden und den Laden eines Tages ordentlich rocken werden. Spiele-Abende, auf ein paar Dinks zum Zimmernachbar, im Gang mit der besten Freundin über die Neuen lästern, Pizza bestellen und uns von vorne bis hinten bedienen lassen und das beste: juhuiii putzen und waschen müssen wir auch nicht mehr. Wir wüssten also wie es geht - das wird choge glatt!
Beruflich und privat bewege ich mich seit Jahren in verschiedenen Alters- und Pflegeheimen und leider sieht die Realität in den meisten Institutionen ganz anders aus. Viele Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich an ihrem jetzigen und auch letzten Lebensplatz nicht wirklich wohl, geschweige denn Zuhause. Woran liegt das? Klar ist es nirgends wie Zuhause und dieses kann auch schwer ersetzt werden. Aber trotzdem gibt es grosse Unterschiede in den einzelnen Einrichtungen, was den Wohlfühlfaktor anbelangt.
Es gibt wirklich Heime, welche man betritt und man sich zumindest bereits Willkommen fühlt. Die Abteilungen sind hübsch eingerichtet und saisonal geschmückt und in den entlegensten Winkeln sind Sitzecken mit Heftli zum Schmökern hergerichtet. In einer Ecke steht ein altes Klavier, welches hin und wieder von einem talentierten Bewohner gespielt wird. Im Stübli läuft das Radio und schmettert den einen oder anderen Schlager aus dem Lautsprecher, zu dem die Anwesenden vergnügt mit summen.
Bei anderen Heimen wiederum, hat man das Gefühl, man betritt ein Bürogebäude. Die Cafeteria ist modern, dekorationsarm, zweckmässig eingerichtet und gleicht eher einer Mensa, wie wir es aus Schulen kennen. Die Atmosphäre ist kalt und nicht wirklich einladend. Auf den Abteilungen wo sich die Zimmer der Bewohner befinden herrscht gähnende Leere. Lange Gänge welche weder Sitzgelegenheiten zum Verweilen und plaudern bieten, noch Deko oder Pflanzen die das Ganze wohnlicher erscheinen ließen. Sogar Notfallstationen haben mehr Charme.
Das schrecklichste aber daran: Niemand aber wirklich niemand, ist zu sehen. Weder Personal noch Bewohner welche umherspazieren. Niemand! Ja gut, was will man ja auch in den lieblos leeren Gängen? Die Abteilung ist tot! Alle sitzen in ihren Zimmern und warten auf die nächste Mahlzeit. Wohl für die meisten Bewohner ist das Essen auch das grösste Thema.

