Diese Oberländer Gemeinden weisen zu hohe Werte aus
Diese Sofortmassnahme hat Wellen geschlagen: Am Montag haben die Pfäffiker Gemeindewerke das Grundwasserpumpwerk Mettlen abgeschaltet (wir berichteten). Bis auf weiteres. Dies nachdem erhöhte Rückstände von Chlorothalonilsäure festgestellt wurden. Dieser Wirkstoff wird immer wieder als Pflanzenschutzmittel eingesetzt, um Pilzbefall vorzubeugen.
Weitere Wasserversorgungen betroffen
Im Mai hat das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) in rund 1000 Grundwasserfassungen im Kanton Zürich Proben genommen. Ein Blick auf die Messdaten zeigt: In insgesamt fünf Wasserfassungen in der Region wurde ein zu hoher Wert des Abbaustoffs des Fungizids nachgewiesen.
S tatt des zulässigen Höchstwerts von 0.1 waren es im Falle des Pumpwerks Mettlen 0.4 Mikrogramm pro Liter (μg/l). Die Situation sei an sich nicht gravierend, sagte Betriebsleiter Dumeng Tönett am Montag. Doch ohne Entwarnung gehe man davon aus, dass sie gefährlich sind.
Abgesehen vom Pumpwerk Mettlen in Pfäffikon sind dies die Grundwasserfassung Riedt in Russikon (0.33 μg/l ), Seewadel in Gossau (0.22 μg/l) u nd Bachtel in Illnau-Effretikon (0.10 μg/l).
Als Vergleich: Die Durchschnittskonzentration aller Fassungen über 0.1 µg/L liegt bei 0.34 μg/l. Der Grenzwert von 0.1 µg/L ist allerdings jener für Trinkwasser. Für Grundwasser gibt es keinen numerischen Grenzwert für Chlorothalonil-Metaboliten. Der Grenzwert für Trinkwasser diene als Anhaltspunkt, wie Awel-Sprecher Wolfgang Bollack auf Anfrage erklärt.
Auch die Grundwasserfassung Uster-Nänikon weist einen zu hohen Wert aus. Jedoch wird diese nicht zu Trinkwasserzwecken genutzt und ist seit 2004 ausser Betrieb. Im Allgemeinen wird Grundwasser je nach Gemeinde unterschiedlich mit Quellwasser und Seewasser gemischt, bevor es in den Haushalten aus dem Hahn fliesst (siehe Box).
«Wir wollen auf Nummer sicher gehen»
02.09.2019

Pfäffiker Pumpwerk abgeschaltet
Die Wasserversorgung Pfäffikon hat in der aktuellen Trinkwasser-Untersuchung erhöhte Rückstände v Beitrag in Merkliste speichern Mehr Fremdwasser in Gossau
Das Pfäffiker Pumpwerk Mettlen bleibt vorerst abgestellt. Zumindest solange bis Klarheit darüber herrscht, wie stark das Grundwasser aktuell kontaminiert ist. In Kooperation mit dem Awel sollen nun i n den nächsten Tagen weitere Wasserproben im Leitungsnetz genommen und die Lage neu beurteilt werden, wie der stellvertretende Betriebsleiter, Roman Furrer, auf Anfrage erklärt.
« Falls die Richtwerte für die Trinkwasserqualität nicht eingehalten werden können, wird die Abschaltung der Grundwasserversorgung in Erwägung gezogen. »
Thomas-Peter Binder, Gemeindeschreiber von Gossau
An eine vorübergehende Abschaltung der Grundwasserfassung wie im Pfäffiker Pumpwerk Mettlen denkt man auf der Gemeinde Gossau momentan nicht. Allerdings habe man nach Rücksprache mit Spezialisten die Zufuhrt von Fremdwasser – insbesondere vom Seewasserwerk – erhöht, wie Gemeindeschreiber Thomas-Peter Binder auf Anfrage sagt. « Damit könne der Richtwert für die Trickwasserqualität eingehalten werden. »
Zusätzlich würden weitere Proben im Leitungsnetz genommen und mittel- und langfristige Massnahmen wie die Reinigung der Pumpwerke oder die Anpassung der Schutzzonen-Reglemente geprüft. « Falls die Richtwerte für die Trinkwasserqualität nicht eingehalten werden können, wird die Abschaltung der Grundwasserversorgung in Erwägung gezogen » , so Binder.
Russikon beobachtet
Mit 0.33 Milligramm pro Liter weist die Grundwasserfassung Riedt in Russikon ebenso einen zu hohen Wert an Fungizid-Rückständen auf. Gleichwohl bestehe aktuell kein Anlass für konkrete Massnahmen. Vorest werde die Lage beobachtet.
« Sollte die Trinkwasserqualität die Anforderungen des Gesetzes nicht erfüllen, würde die beanstandete Grundwasserfassung vom Netz genommen. »
Marc Syfrig, Gemeindeschreiber von Russikon
Die Trinkwasserversorgung wird in der Gemeinde Russikon von vier konzessionierten Wasserversorgungs-Genossenschaften sichergestellt. Diese handeln in ihrem Versorgungsgebiet selbständig. « Die Gemeinde steht mit diesen Genossenschaften in Kontakt und wird über allfällige Massnahmen, welche in Absprache mit dem Awel zu erfolgen haben, informiert » , sagt Gemeindeschreiber Marc Syfrig.
Eine allfällige Abschaltung würde also nötigenfalls durch die entsprechende Genossenschaft erfolgen. « Sollte die Trinkwasserqualität die Anforderungen des Gesetzes nicht erfüllen, würde die beanstandete Grundwasserfassung vom Netz genommen – dies war bis jetzt noch nie der Fall » , so Syfrig.
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Wasserqualität
04.09.2019

Nach Abschaltung von Pfäffiker Pumpwerk
Die Gemeindewerke Pfäffikon haben das Pumpwerk Mettlen wegen Pestizidrückständen im Grundwasser t href=”/flag/flag/np8_favorites/3071165?destination=batch&token=AT6QzcGKpM1wS87W1pk1NYdTVEZJ3DYtp3Xo6NuoyPA” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-3071165 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern Keine Rückschlüsse
In Pfäffikon hat die Abschaltung des Pumpwerks zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Verschiedene User haben in den sozialen Medien die Gemeindewerke dafür kritisiert, dass diese zu spät über die Pestizidrückstände beim Pumpwerk Mettlen informiert habe. Der stellvertretende Betriebsleiter, Roman Furrer, räumt ein, dass die Information zeitlich etwas knapp erfolgte.
« Wir sind uns bewusst, dass dies ein hochsensibles Thema ist und wollen die Bevölkerung über allfällige weitere Schritte informieren » , so Furrer. Es sei ein bewusster Entscheid gewesen über die Website und via Medien zu kommunizieren. « Angesichts Reaktionen aus der Bevölkerung wollen wir aber prüfen, ob es nicht doch sinnvoll ist, einen Social-Media-Account für die Gemeindewerke einzurichten. »
« Gemessen haben wir das Grundwasser. Dies lässt keine Rückschlüsse auf die Belastung des Trinkwassers zu. »
Wolfgang Bollack, Sprecher des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel)
Das Awel verweist indes darauf, dass im Grundwasser lediglich ein Abbaustoff des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil nachgewiesen wurde, nicht aber der Wirkstoff selber. Sprecher Wolfang Bollack: « Gemessen haben wir das Grundwasser. Dies lässt keine Rückschlüsse auf die Belastung des Trinkwassers zu, da das Trinkwassernetz meist nicht nur aus einer, sondern aus mehreren Fassungen und/oder mit Zürichseewasser gespeist wird, das frei von Chlorothalonil-Sulfonsäure ist. »
Proben für Trinkwasser gemacht
Da Trinkwasser ein Lebensmittel ist, ist das kantonale Labor der Gesundheitsdirektion zuständig für die Trinkwasser-Sicherheit. Dieses hat zwar über hundert Proben genommen. Aktuell liegen aber noch keine Resultate der Öffentlichkeit vor. Grundsätzlich gilt: Sofern keine anderen Informationen durch den Kanton, die Gemeinde oder Trinkwasserversorger erfolgt sind, darf Trinkwasser getrunken werden. (mhu)
