Bei Notfällen herrscht nicht nur physisch, sondern auch meistens psychisch ein Ausnahmezustand. Für Sicherheit, Eigenschutz, Alarmierung und Erste Hilfemassnahmen zu sorgen, fordert auch die Ersthelfer. F ür die psychische Betreuung in den ersten Phasen bleibt wenig oder keine Zeit. Doch heute sind die Care Teams schnell zur Stelle und leisten wertvolle und wichtige Arbeit.
Bei einem Grossbrand war ich eine der Ersten auf dem Schadenplatz. Ein Gebäude stand in Vollbrand. Das geschockte ältere Ehepaar wollte in das brennende Haus, um Habseligkeiten heraus zu holen. Der Mann bemerkte seine Brandwunden am Kopf und an den Händen nicht. Die Polizei erteilte mir den Auftrag, die beiden daran zu hindern.
Ich rief: «Halt!»
Das Ehepaar war völlig ausser sich, musste mitansehen wie ihr Zuhause niederbrannte. Beide befanden sich in einem Ausnahmezustand. Bald merkte ich, dass verbal nichts zu erreichen war. Alle Warnungen und Bitten halfen nicht, sie wollten an mir vorbeistürmen. Ich machte mich möglichst breit und gross und stellte mich ihnen in den Weg und rief laut: «Halt!»
Einen Moment starrte mich die alte Dame an, holte aus und wollte mir eine Ohrfeige verpassen. Gerade noch konnte ich meinen Kopf einziehen. Barsch sprach ich sie an: «Ihr Mann ist verletzt, sie müssen mir helfen, ihn zu versorgen. Ich kann das nicht allein. Sehen sie sich seinen Kopf an!» Sie hielt inne und herrschte ihrerseits ihren Mann an, sich hinzusetzen.

